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Mittwoch, 25. Mai 2016

BABEL






Zwei Menschen, die sich bisher nicht kannten haben dasselbe Ziel, einen Roman zu schreiben. Dies verbindet, und trotz großer räumlicher Distanz ergibt sich via Internet eine beinahe freundschaftliche Kommunikation über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Gegenseitig macht man sich Mut während dieser Zeit, sobald einer der Beiden die Hoffnung zu verlieren droht oder an Kritik hart zu nagen hat. Arbeiten werden getauscht und begutachtet.
Beide haben zur gleichen Zeit ein fertiges Manuskript vorliegen und machen sich nur noch auf die Suche nach einem Verleger. Die Freude ist groß und man beglückwünscht sich, als dieses große Endziel wieder fast gleichzeitig erreicht wird.

Das verbindende Element, weiterhin etwas Gemeinsames zu erarbeiten entfällt. Es stellt sich heraus, dass sich zwei in ihren Biografien und Ansichten völlig verschiedene Menschen für einen kurzen, gemeinsamen Weg gefunden haben.

Der Eine begegnet der Welt mit Offenheit und der Andere kennt überall nur Grenzen, von denen er keine aus eigener Kraft überwinden kann.
Sie sprechen nicht mehr diesselbe Sprache.


Donnerstag, 21. April 2016

ICH BIN FREI !





Mein Handy signalisiert mir eine neue Freundschafts-Anfrage auf Facebook. Ich sehe mir solche Anfragen immer sehr genau an, bevor ich sie bestätige, deshalb bin ich auch etwas verunsichert, als ich beim Öffnen des Profils einen exotisch klingenden Namen und mir unbekannte Schriftzeichen entdecke.
Auf dem Foto ist eine glücklich strahlende junge Frau abgebildet und daneben der Text: „Waiting for true love.“
Nun, ich kann mich nicht für Integration stark machen und eine Anfrage, die eindeutig einer fremden Ethnie zuzuordnen ist verweigern.
Andererseits habe ich einen alten Freund, dessen Identität sich nicht eindeutig zuordnen ließ auch abgewiesen. Trotzdem überlege ich in diesem Fall: Ein Klick und der Kontakt ist wieder weggefegt.

Beim Öffnen der Seite offenbart sich mir nur unwesentlich mehr: Das Foto eines Jungen, der traurig seinen Kopf in die Hände stützt, Eheringe und wieder die Sehnsucht nach Liebe, dazu noch viel mehr unbekannte Schriftzeichen.
Möglicherweise ein Mädchen, das weltweit wahllos Kontakte sammelt. Tatsächlich tut sich weiterhin nichts …. bis mich eines Abends über dieses Profil eine Nachricht erreicht.
Hallo, guten Abend
Ich antworte mit Guten Abend, bist du Mann oder Frau?
Mann
Wir führen unsere Konversation auf Englisch fort und immer nur in ganz kurzen Sätzen. Ich erfahre bald, dass Hami aus Pakistan kommt und 22 Jahre alt ist. Er sei ein Flüchtling und von München zuerst nach Chemnitz, dann nach Dresden und zuletzt nach Meissen verlegt worden.
Sachsen sei sehr gefährlich meint er und ich solle mich mit ihm auf Deutsch unterhalten, weil er die Sprache lernen möchte. Mir kommt dieser Vorschlag sehr entgegen, da mein Handy sich mit Fremdsprachen anscheinend genau so schwer tut, wie ich.
Wo wohnen sie, werde ich gefragt, dabei wählt er immer das höfliche „Sie“. Meinen Wohnort gebe ich daraufhin mit Stuttgart an. Die kurzen Antworten dauern trotzdem sehr lange. Anscheinend stellt ihn nicht nur die Sprache, sondern auch die Schrift vor größere Probleme.
Was machst du?, frage ich weiter.
Nichts. Ich bin frei.
Ein Mensch, der nichts hat außer seiner Freiheit!
Ich muss kurz innehalten. Wissen wir eigentlich, wie reich wir sind?

Als nächstes meint er wieder auf Englisch, nicht alle Menschen seien schlecht, es gäbe auch gute darunter.
Und dann: Ich bin ihnen so dankbar.
Sie sind der erste Mensch, der sich freundlich mit mir unterhält.
Gute Nacht


Am nächsten Abend erfahre ich von Hami, dass er in einem Haus wohne, die Syrer aber in einem Camp.

Ein Rest von Misstrauen bleibt, schließlich kann sich jeder mit einer falschen Identität Vertrauen und Mitgefühl erschleichen, aber ich wünsche mir, dass ich einem jungen Menschen das Gefühl, angenommen zu sein vermitteln konnte.


Sonntag, 31. Januar 2016

HUNGER







Wir haben Hunger nach Leben, nach Liebe, Anerkennung, Erfolg, Freiheit …
Als Idiom begegnet und dieses Wort in jedem beliebigen Zusammenhang, aber wer kennt die eigentliche Bedeutung noch? Aus unserer Generation kaum jemand.
Vielleicht noch die ganz Alten, die den Krieg miterlebt haben, aber in unserem modernen Sozialstaat lässt man niemanden verhungern und seien die Lebensumstände auch noch so schlecht.
Tatsächlich trifft man die meisten Fälle von Adipositas am untersten Ende der wirtschaftlichen Erfolgsleiter. Im Gegensatz dazu, klärte mich eine Italienerin auf: “In Italien ist eine Frau, die Geld hat schlank!“ Dieses Statement dürfte ähnlich auch für andere europäische Länder gelten.
Falls dieses Schönheitsideal nicht durch medizinische Eingriffe angestrebt wird, versucht man es durch Hungern zu erreichen. Fasten wäre in diesem Fall die exaktere Bezeichnung.
Jeder gesunde Mensch beginnt wieder mit der Nahrungsaufnahme, bevor lebensbedrohliche Umstände eintreten. Durch eine psychische Störung kann dieser Moment ausgeschaltet werden, aber im allgemeinen sieht die Umwelt dabei nicht tatenlos zu. Ich selbst kann nicht beurteilen, ob dabei ein Hungergefühl entsteht, da diese Reaktion vom Betroffenen nicht mental steuerbar ist.
Mit Diäten kenne ich mich aus, da mir während meines ganzen Lebens eine Figur vorschwebte, die ich nur zeitweise annähernd erreicht habe. Der Magen knurrt und die Gedanken kreisen nur ums Essen, aber ich tröstete mich immer, sobald die zwei Kilo geschafft sind gibt’s wieder was Leckeres.


Mit echtem Hunger, ohne Aussicht auf Nahrung musste ich mich beim Schreiben meines Romanes „WARTEN AUF LOHENGRIN“ auseinandersetzen.
Wie beschreibt man ein Gefühl, das man nicht kennt? Wie kann man nachvollziehen, welche Schmerzen ausgelöst werden, wenn sich der Körper quasi selbst auffrisst. Wenn man sich nicht der schleichenden Apathie hingibt und noch in der Lage ist, Ratten zu fangen, die sich selbst von Kadavern ernähren. Das Bild von Kindern, die ihrem Instinkt folgend Kalk von den Wänden kratzen, den sie für ihr Knochenwachstum brauchen.
Bis irgendwann das größte Tabu gebrochen wird und keine Hürde mehr besteht, die den Schritt zum Kannibalismus aufhält.
Diese schaurigen Fakten wurden so übermittelt, nachdem Leningrad 1941 durch die Belagerung deutscher Truppen die allerschlimmste Not erleiden musste.
Während 872 Tagen starben 750 000 Menschen den Hungertod.

Obwohl satt und zufrieden musste ich mich diesem Thema stellen, um meine Geschichte möglichst authentisch zu Ende zu bringen.
Schostakowitsch hat seinen Kummer über dieses Drama mit der Leningrader Sinfonie in Musik umgesetzt. Ein Requiem für alle Gequälten und Umgekommenen. Eine Totenfeier.
Beim Schreiben habe ich mich mit dieser Musik umgeben. Sie ist laut, klingt stellenweise zerrissen und die Schläge mit dem Geigenbogen auf die Saiten sollen das Klappern der Gebeine hörbar machen.

Trotz aller Bemühungen, Hunger für mich ansatzweise fühlbar zu machen, ist es nur bei einer Betrachtung von außen geblieben und ich hoffe für alle Zeiten, dieses Gefühl nie kennenlernen zu müssen.





Mittwoch, 6. Januar 2016

LOVERBOY







Frauen, in Metropolen heute: Jung, gutaussehend gebildet, aufstrebend – Single.

Fünf dieser modernen Amazonen, alle Anfang dreißig treffen sich regelmäßig in einer deutschen Großstadt zu gemeinsamen Freizeit-Aktivitäten. Meistens jedoch an Orten, die von etwa Gleichaltrigen des anderen Geschlechts frequentiert werden.
Single ist man nicht freiwillig, doch man verliert sich gegenseitig in einem unüberschaubaren Angebot und redet sich irgendwann resigniert ein, zufrieden in diesem Status zu verharren, bevor wieder eine Enttäuschung wegzustecken ist.

Reisen unternimmt man entweder mit einer der Freundinnen oder, nimmt ein Angebot für alleinstehende Frauen wahr.
So stürzt sich auch Sarah in ein Abenteuer und fliegt ohne Begleitung in die Karibik.

Drei Wochen später, wieder zu Hause schwärmt sie von ihrem Urlaub in den höchsten Tönen. Mit ihren lichtblonden Haaren seien ihr die einheimischen Männer scharenweise zu Füßen gelegen und sie habe sich in eines dieser exotischen Exemplare schwer verliebt.
Schon bald möchte sie ihn in seiner Heimat wiedersehen, weil ihm eine Ausreise verwehrt ist und macht sich sogar Gedanken über eine gemeinsame Zukunft. Die anderen Frauen reagieren ziemlich irritiert über Sarahs Pläne und sind schlicht entsetzt, als sie ein paar Wochen später glücklich verkündet, sie sei schwanger.

Eine alleinerziehende Mutter, dazu noch mit einem schwarzen Baby – unmöglich. Man rät ihr allgemein zu einem Abbruch.
Für Sarah keine Option – im Gegenteil Jeremy, der Vater des Kindes darf nun nach Deutschland einreisen und dem gemeinsamen Glück scheint nichts mehr im Wege zu stehen.
Nach und nach kommen zweifelhafte Tatsachen ans Licht. Jeremy hat in seiner Heimat Frau und Kind und was keiner auszusprechen wagt, seinen Unterhalt hat er möglicherweise durch liebeshungrige Touristinnen verdient.
Sextourismus war früher nur ein Thema, mit dem man Männer in Verbindung gebracht hat, laut Statistik aber mittlerweile von ebenso vielen Frauen wahrgenommen wird.

Jeremy kommt nach Deutschland, wo das Geld, wie er denkt auf der Straße liegt und nur darauf wartet aufgesammelt zu werden.
Sarahs Freundeskreis weigert sich, Jeremy willkommen zu heißen, da sie in ihm nur einen Schmarotzer sehen und tatsächlich lässt er Sarah trotz Schwangerschaft für sich arbeiten, bewegt sich nicht aus der Wohnung und mäkelt den ganzen Tag über die ungewohnte Kälte, auch die der Menschen, weil er ihre Sprache nicht spricht.
Außer einer distanzieren sich die anderen Freundinnen von ihr und vebannen sie aus ihrem Kreis, weil sie einer intelligenten Frau diese Kurzsichtigkeit nicht zugetraut hätten.
Die Verbindung hält dem Alltag nicht stand und Jeremy fliegt zurück.

Ein paar Monate später bringt Sarah ein süßes Mädchen zur Welt mit einer Haut wie Milchkaffee. Jeder zeigt sich erleichtert, dass es hauptsächlich die Gene der Mutter geerbt hat und nicht die tiefschwarze Hautfarbe des Vaters.
Alle sind glücklich, auch die Freundinnen können sich nun mit ihr freuen.
Jeremy kommt zurück, um wenigstens für einige Zeit seine Vaterpflichten zu erfüllen, aber eine Akzeptanz erfährt er nach wie vor nicht.


Freitag, 1. Januar 2016

GLITZER




Auf dem Boden der Tatsachen liegt eindeutig zu wenig Glitzer!





Am letzten Tag des Jahres sieht man beim Eintritt ins Rentenalter lieber im Fernsehen den Anderen beim Feiern zu, einfach weil man bedächtiger mit seine Resourcen umgeht.

Zufällig fällt mir dabei ein eingeblendeter Name auf und in Sekundenbruchteilen läuft ein Film vor meinen Augen ab.
Genau! So hieß der „Hansi vom Bodensee“ mit Nachnamen!
Ein Studienfreund aus den Jahren 71/72. Jeder nannte ihn nur „Dr Bodasee“, weil er seinem Heimatgewässer so sehr verbunden war, dass wir uns darüber lustig machten.
Ich erinnere mich an einen sportlichen Naturburschen, der mich mit seinem Humor immer zum Lachen brachte. Wir zwei waren ein tolles Team. Jeder half dem Anderen in Fächern in denen Schwächen vorhanden waren. Manchmal saß man danach zusammen noch in einer Kneipe beim Bier.
Unsere Aura lud sich irgendwann elektrisch auf und es fing an zu knistern. Doch beide waren wir zu diesem Zeitpunkt liiert, was in diesen wilden Zeiten des Aufbruchs und der Anarchie eigentlich keine Bedeutung hatte. Moral war nur etwas für Spießer. Wir widersetzten uns trotzdem dem Zeitgeist und entschieden Freunde zu bleiben.

Nach vier Semestern ergriff ich regelrecht die Flucht. Heute käme man vielleicht zu der Diagnose „Burn-out“, damals wunderte man sich nur, warum ich sogar mit meinen damaligen Freunden abgeschlossen hatte und allmählich verschwanden auch die Namen aus meinem Gedächtnis.

Viele Jahre später fing ich an, mich dafür zu interessieren was aus ihnen geworden ist, vor allem aus Hansi. Aber wie sollte ich an irgendwelche Kontakte anknüpfen, ohne deren Identität zu kennen? Auch die sozialen Medien konnten mir nicht weiterhelfen.

Jetzt erst, nach vielen Jahren wurde mir dieser Name per Zufall serviert und da mein Smartphone immer in Reichweite liegt, mache ich mich daran, kurz vor Mitternacht Hansi zu googeln.

Sein Name erscheint sofort … in einem Nachruf!
Dieser einst kräftige und gesunde Mann starb an einer Krankheit im Alter von 63. In seiner Heimat war er wohl sehr erfolgreich, brannte aber an allen Enden wie er beschrieben wurde.
Es gibt keine Möglichkeit für ein „Weißt du noch? …“ - Gespräch mehr. Die Zeit ist um.

Obwohl ich Neujahr nie mit guten Vorsätzen beginne denke ich trotzdem, wir sollten zum Sprung ansetzen und dem bisschen Glitzer, das uns jeder Tag beschert Aufmerksamkeit schenken, darüber staunen und die Zeit nicht einfach verstreichen lassen.


Mittwoch, 4. November 2015

EMOTIONEN





Seit zwei Monaten ist mein Erstlingswerk „Warten auf Lohengrin“ nun auf dem Markt. Die Biografie meiner Großmutter, die zwei Weltkriege erleben musste ist gleichzeitig das Schicksal von unzähligen Menschen.
Es gab in diesen schweren Zeiten viele stille Helden, die allmählich vergessen werden. Die Generation nach 1945 wollte nichts mehr über den Krieg hören und trotzdem spürt man, dass sie immer noch schwer an dieser „Kollektivschuld“ trägt.

Ich bin überrascht und manchmal tief gerührt, welche Reaktionen mein Buch ausgelöst hat.
Sehr oft musste ich hören: „Hätte ich doch meine Eltern gefragt, als sie noch lebten, leider habe ich das versäumt.“
Eine Nachbarin - eine alte Frau - bedankte sich dafür, dass ich so viele Erinnerungen in ihr ausgelöst habe und erzählt, ihre Schwägerin wickelte als Säuglings-Schwester kleine Kinder in nasse Tücher, um sie so vor dem Feuer im bombardierten Dresden zu retten.

Beeindruckt hat mich eine sehr junge Studentin, die fest in unserer modernen Zeit verankert ist und als Praktikantin in der örtlichen Tageszeitung einen wunderbaren Artikel über mein Buch und mich als Autorin geschrieben hat. „Lohengrin“ musste sie googeln, worüber ich mir Gedanken mache, wo wir mit unserer Schulbildung heute stehen, aber dann hat sie sich in kürzester Zeit in die Materie hervorragend eingearbeitet.

Ein alter Freund, der sich als Literaturverweigerer outet, wollte nur mir zuliebe mal wieder ein Buch in die Hand nehmen und hat es anschließend freiwillig sofort ein zweites Mal gelesen. Nur die Erotik kam seiner Meinung nach etwas zu kurz.

Am meisten überraschten mich die Reaktionen der Menschen aus meinem persönlichen Umfeld, die ihre Wurzeln nicht hier, in Deutschland haben.
Eine junge Bekannte aus Eritrea wollte unbedingt die erste sein, die mein Buch in Händen hält.
Ein Italiener zeigte mir seine Begeisterung in einer überschwänglichen, dramatischen Theatralik, die nur in seiner Heimat zu finden ist.
Die Polin, deren Vorfahren unter der deutschen Herrschaft eigentlich sehr gelitten haben müssten, meinte: „Ich liebe dein Buch!“
Beim Lesen so zu Tränen gerührt wurde eine Brasilianerin, dass sie Sorge hatte, die Mitfahrer in der Straßenbahn würden ihr aus Mitleid von allen Seiten Taschentücher reichen. Deshalb verzog sie sich anschließend lieber ins stille Kämmerlein.
Diskussionen löste es bei einer Kroatin mit ihrem deutschen Freund aus, wem denn dieses Buch denn nun gehöre, wo doch jeder sein eigenes Lesezeichen platziert hat. Nachdem sie allerdings darauf hingewiesen hat, dass ihr Name als Widmung verewigt wurde, war die Situation eindeutig.
Schließlich möchte sich eine Finnin für die Vermarktung einsetzen und eine schwarze Perle aus dem Senegal fragt mich ganz schüchtern:“Wenn ich deinen Roman in einer Buchhandlung bestelle, darf ich dann sagen, dass du meine Kollegin bist?“ Sie scheint stolz darauf zu sein, mich zu kennen, dennoch gibt mir die Frage zu denken.
Dann ist da noch dieser junge Ungar, der genau so aussieht, als wäre er der ungarische Tenor in meinem Roman, und plötzlich wirklich geworden.
Sie alle haben keinen Bezug zur deutschen Geschichte, und wo wir versuchen die Vergangenheit abzuarbeiten, ist es für sie nur ein Roman, der überall stattgefunden haben könnte.

Der bewegenste Moment allerdings war, als ich meinen Roman bei Facebook vorstellte und plötzlich ein Kommentar erschien: „Deine Oma ist auch meine Oma.“
Meine Cousine, zu der ich seit mindestens dreißig Jahren keinen Kontakt mehr habe und dabei wohnt sie gerade mal zwei Straßen entfernt von mir!
Dies ist genau die Situation, die Sabine Bode in ihren Recherchen über die sogenannten Kriegsenkel beschreibt. Durch das Verdrängen der Traumata entstand nur Kälte in den zwischenmenschlichen Beziehungen der Kriegsgeneration. Die Familien zerbrachen. Meine Cousine und ich waren die unfreiwilligen Opfer.
Seit vielen Stunden sitzen wir nun zusammen und arbeiten das auf, was uns getrennt hat.



Sonntag, 6. September 2015

EIN SOMMER





Eintauchen in die Wärme der Tage.

Der Duft von Blüten in Harmonie
mit der Musik der Zeit.

Das Leben schmeckt nach Schwarzwälder Kirsch,
süß und leicht beschwipst.

Gedanken tanzen mit der Leichtigkeit von Federn
im Wind.

Geöffnete Herzen verströmen Emotionen,
eine Ahnung von Schmetterlingsküssen.

Worte wie spielende Kinder – nächtelang.
Umarmt vom Universum.

Die Blätter beginnen zu fallen.