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Donnerstag, 26. Februar 2015
Vom Werden und Vergehn
Sprache des Frühlings
Jedes Kind weiß, was der Frühling spricht:
Lebe, wachse, blühe, hoffe, liebe
Freue dich und treibe neue Triebe
Gib dich hin und fürcht das Leben nicht!
Jeder Greis weiß, was der Frühling spricht:
Alter Mann, laß dich begraben,
Räume deinen Platz den muntern Knaben,
Gib dich hin und fürcht das Sterben nicht!
Hermann Hesse
Freitag, 6. Februar 2015
Mama muss weg
Unverstanden
Verkannt
An den Kirchturm gefesselt
Leben in Grau
Tag für Tag
Hier
Glanz
Horizonte
Vermeintliches Glück
Unerreicht
Jahr für Jahr
Dort
Schuld hat Mama
Warten
Im eisigen Wind
Warten
Blühende Gärten im Blick
Warten
Wohlstand so nah
Warten
Kalte Gesetze gebeugt
Mama muss weg
Montag, 12. Januar 2015
Nur Kleinkram
Wie geizig, engherzig ist die Erde eingeteilt, mit dem Himmel verglichen, der sich darüber wölbt.
Die Wolken fügen sich nicht eine Minute,
sie teilen sich nie ein,
sie beschränken sich nie auf ein einziges Bild,
sie verwandeln sich viel schneller, als jemand denken kann,
bald in Gebirge, bald in Fabeltiere;
einmal wachsen sie götterhaft, einmal wie Pflanzen.
Ihre Schatten jagen über den Kleinkram, der genau eingeteilt ist.
Anna Seghers
Donnerstag, 8. Januar 2015
Satire
Je grauenvoller eine Tat, desto höher der Vermarktungswert.
Die Einzigen, die keinen Nutzen daraus ziehen können, sind die Toten.
Dienstag, 6. Januar 2015
Stummer Schrei
Edvard Munk "Der Schrei"
Der runde Tisch - ein Symbol für Gleichstellung und Kommunikation. An diesem Tisch jedoch, bleibt jeder für sich und keiner spricht.
Der mit den langen Haaren und dem zerfurchten Gesicht, scheint auf seinem Stuhl eingeschlafen zu sein, er starrt nur vor sich hin. Die fette Frau mit den dunklen Schatten unter den Augen steht manchmal wortlos auf, um sich kurz danach wieder hinzusetzen. Ihr gegenüber, der ältere Mann, den man für einen Sachbearbeiter in einem Büro halten könnte, hat eine Notebook vor sich liegen und schiebt die Maus ruhig hin und her. Zwischendurch legt er mit sorgfältigen Bewegungen eine Diskette ein.
Alle scheinen ihre Umgebung überhaupt nicht wahrzunehmen. Nur ein großer, junger Araber spricht manchmal ein paar Worte, die ungehört verhallen. Er wirkt fremd in dieser Runde mit seinen schwarzen Haaren und dem orientalischen Einschlag.
Sobald einer von ihnen auf den Balkon nebenan geht, um eine Zigarette zu rauchen, kommt trotz dieser allgemeinen Langsamkeit etwas Bewegung in die Runde. Viel Platz bietet er nicht, dieser kleine Balkon, der wie ein Käfig komplett vergittert ist.
An der Eingangstüre dieser Abteilung hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Psychiatrische Pflegestation“ und „Diese Türe ist heute leider geschlossen.“
Ein Ort der Stille, emotionslos, wie es scheint.
Die Emotionen dieser Patienten waren zuvor so groß und übermächtig, dass sie drohten, diese Menschen zu zerstören. Hier wird versucht, sie von diesen starken Gefühlen zu befreien. Jeder von ihnen stand vor einem Abgrund, in den er ohne fremde Hilfe gestürzt wäre.
Zwei Sanitäter bringen eine kleine alte Frau. Sie schreit und tobt, weil sich in ihren Vorstellungen die ganze Welt gegen sie verschworen hat. Einen solchen Ausbruch traut man dieser zierlichen Frau eigentlich nicht zu.
Was hat ihre Seele so zerstört, dass sie am Ende ihres Lebens solchen Qualen ausgesetzt ist?
Keiner am Tisch fühlt sich gestört durch diesen Zwischenfall. Bald kehrt auch wieder Ruhe ein. Sie wurde in denselben Zustand wie ihre Mitbewohner versetzt und ist nun in deren gleichförmigen Alltag eingebunden. Mit dem Unterschied, dass sie den Pflegern Geschichten aus ihrem Leben erzählt, da ihr sonst niemand zuhört.
Wer spricht kann überwinden, was die Seele quält.
Das malende Mädchen drückt dies in ihren Bildern aus. Ihr einziges Motiv sind bunte Blumen. Vielleicht träumt sie ja von einer fröhlichen, heilen Welt.
Die alte Frau freut sich beim Anblick dieser Bilder, die für sie auch eine heile Welt verkörpern.
Ein lauter Gong zerreißt die Stille. Das Zeichen, sich in die Schlange für die Essensausgabe einzureihen.
Folgsam stehen die unterschiedlichsten Menschen in einer Reihe, sie haben nur diesen leeren Gesichtsausdruck gemeinsam.
Die alte Frau steht immer noch an der Seite und meint:“Eigentlich habe ich keinen Hunger. Außerdem erinnern mich Menschen-Schlangen an den Krieg.“
Spontan tritt der große, junge Araber aus der Reihe und nimmt die alte, kleine Frau in den Arm. Über beide Gesichter huscht ein kurzes Lächeln, bevor sie die Eintönigkeit wieder ergreift.
Für einen kurzen Moment schien ein Stern aufgegangen, in dieser Dämmerung.
Jeder von ihnen hat die Chance auf auf ein zweites, vielleicht besseres Leben und die Möglichkeit, nach dieser Therapie nochmals ganz von vorne anzufangen.
Kein Leben verläuft gleichmäßig, bei manchen Menschen sind die Täler einfach tiefer.
Der runde Tisch - ein Symbol für Gleichstellung und Kommunikation. An diesem Tisch jedoch, bleibt jeder für sich und keiner spricht.
Der mit den langen Haaren und dem zerfurchten Gesicht, scheint auf seinem Stuhl eingeschlafen zu sein, er starrt nur vor sich hin. Die fette Frau mit den dunklen Schatten unter den Augen steht manchmal wortlos auf, um sich kurz danach wieder hinzusetzen. Ihr gegenüber, der ältere Mann, den man für einen Sachbearbeiter in einem Büro halten könnte, hat eine Notebook vor sich liegen und schiebt die Maus ruhig hin und her. Zwischendurch legt er mit sorgfältigen Bewegungen eine Diskette ein.
Alle scheinen ihre Umgebung überhaupt nicht wahrzunehmen. Nur ein großer, junger Araber spricht manchmal ein paar Worte, die ungehört verhallen. Er wirkt fremd in dieser Runde mit seinen schwarzen Haaren und dem orientalischen Einschlag.
Sobald einer von ihnen auf den Balkon nebenan geht, um eine Zigarette zu rauchen, kommt trotz dieser allgemeinen Langsamkeit etwas Bewegung in die Runde. Viel Platz bietet er nicht, dieser kleine Balkon, der wie ein Käfig komplett vergittert ist.
An der Eingangstüre dieser Abteilung hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Psychiatrische Pflegestation“ und „Diese Türe ist heute leider geschlossen.“
Ein Ort der Stille, emotionslos, wie es scheint.
Die Emotionen dieser Patienten waren zuvor so groß und übermächtig, dass sie drohten, diese Menschen zu zerstören. Hier wird versucht, sie von diesen starken Gefühlen zu befreien. Jeder von ihnen stand vor einem Abgrund, in den er ohne fremde Hilfe gestürzt wäre.
Zwei Sanitäter bringen eine kleine alte Frau. Sie schreit und tobt, weil sich in ihren Vorstellungen die ganze Welt gegen sie verschworen hat. Einen solchen Ausbruch traut man dieser zierlichen Frau eigentlich nicht zu.
Was hat ihre Seele so zerstört, dass sie am Ende ihres Lebens solchen Qualen ausgesetzt ist?
Keiner am Tisch fühlt sich gestört durch diesen Zwischenfall. Bald kehrt auch wieder Ruhe ein. Sie wurde in denselben Zustand wie ihre Mitbewohner versetzt und ist nun in deren gleichförmigen Alltag eingebunden. Mit dem Unterschied, dass sie den Pflegern Geschichten aus ihrem Leben erzählt, da ihr sonst niemand zuhört.
Wer spricht kann überwinden, was die Seele quält.
Das malende Mädchen drückt dies in ihren Bildern aus. Ihr einziges Motiv sind bunte Blumen. Vielleicht träumt sie ja von einer fröhlichen, heilen Welt.
Die alte Frau freut sich beim Anblick dieser Bilder, die für sie auch eine heile Welt verkörpern.
Ein lauter Gong zerreißt die Stille. Das Zeichen, sich in die Schlange für die Essensausgabe einzureihen.
Folgsam stehen die unterschiedlichsten Menschen in einer Reihe, sie haben nur diesen leeren Gesichtsausdruck gemeinsam.
Die alte Frau steht immer noch an der Seite und meint:“Eigentlich habe ich keinen Hunger. Außerdem erinnern mich Menschen-Schlangen an den Krieg.“
Spontan tritt der große, junge Araber aus der Reihe und nimmt die alte, kleine Frau in den Arm. Über beide Gesichter huscht ein kurzes Lächeln, bevor sie die Eintönigkeit wieder ergreift.
Für einen kurzen Moment schien ein Stern aufgegangen, in dieser Dämmerung.
Jeder von ihnen hat die Chance auf auf ein zweites, vielleicht besseres Leben und die Möglichkeit, nach dieser Therapie nochmals ganz von vorne anzufangen.
Kein Leben verläuft gleichmäßig, bei manchen Menschen sind die Täler einfach tiefer.
Montag, 22. Dezember 2014
Bei Ochs und Esel
„Wie feierst du Weihnachten?“ fragt mich Kollege Angelo und ich muss zugeben, dass es bei mir zur Zeit Stress mit der Verwandtschaft gibt. Ich schiebe den Gedanken daran etwas von mir.
„Deshalb habe ich darauf bestanden, mit meinem Mann Lucien in diesem Jahr alleine zu feiern.“ fährt er fort. „Mit seiner französischen Verwandtschaft gibt es jedes Jahr Streit und ich möchte diesmal ein friedliches Fest.“
Mit weit ausholenden Bewegungen, wie es sich für einen Italiener gehört und leicht entrückten Blick erklärt er mir:
„Weißt du, ich möchte so feiern, wie früher zu Hause in Neapel. Ich gehe zwar nicht in die Kirche, bin aber ein gläubiger Mensch. Wir sollten uns doch daran erinnern, dass wir den Geburtstag von Jesus feiern, der in dieser Nacht vor etwa 2000 Jahren zur Welt kam!“
Zusammen mit Lucien möchte er kochen, Musik hören und einen gemütlichen Abend verbringen. Alles ist schon vorbereitet.
„Ich habe einen Christbaum aufgestellt, der ist zwar etwas kitschig, aber mir gefällt das und darunter steht die Krippe für das Christuskind.“
Traditionsgemäß darf der Pannetone von Bauli, den er in der Markthalle gekauft hat auch nicht fehlen.
„Um Mitternacht nehme ich dann das Jesuskind und lege es in seine Krippe. So, wie wir es in Italien gemacht haben. Danach schneide ich den Pannettone an und dazu trinken wir ein Glas Champagner.“
Ich bekomme Gänsehaut, so sehr rührt mich seine Ausführung und zeige Angelo, wie sich auf meinem Arm die Härchen aufstellen. Von ihm kommt darauf ganz spontan:
„Wenn du Ruhe haben willst, dann feiere doch einfach mit uns!“
Natürlich werde ich diesen Abend mit meiner Familie verbringen, jedoch ist diese Einladung für mich ein ganz besonderes Geschenk, das mich ein wenig stolz macht.
Wir sollten uns den eigentlichen Gedanken dieser Nacht wieder bewusst machen. Menschen verschiedener Nationalitäten und Lebensformen versammeln sich friedlich, wie vor 2000 Jahren in einem Stall bei Ochs und Esel ...
Mittwoch, 17. Dezember 2014
The same procedure as every year
Frauen sind während dieser Zeit mit ihren Weihnachts-Einkäufen beschäftigt, und weniger an Kleidung interessiert. Eventuell wird noch ein Schal zum Verschenken gesucht, oder sonst eine Kleinigkeit.
Dort ist auch nicht sehr viel von einer Weihnachtsstimmung zu spüren. Irgendwo steht zwar ein Tannenbaum, und die Musik-Berieselung bemerke ich auch nur noch bei genauem Hinhören.
Kurz vor dem Fest suchen manchmal verzweifelte Männer etwas, womit sie ihre Gattin oder Freundin beeindrucken können. Richtig rührend wirken sie in ihrer Hilflosigkeit. Ich gebe mein Bestes. Meistens sehen allerdings die verliebten Augen eines Mannes mehr oder weniger Kurven an ihrer Partnerin, als vorhanden. Haben wir dann zusammen etwas ausgesucht, sind sie so glücklich, als wäre ich ein Engel, der ihnen direkt vom Himmel geschickt wurde.
Am Ende solch eines Arbeitstages trete ich vor die Türe und blicke auf die reich und fantasievoll geschmückten Dächer der Buden des Weihnachts-Marktes. Die ganze Pracht wurde wohl deshalb auf die Dächer verlagert, weil unten durch die dichtgedrängten Menschenmassen der Blick verstellt ist.
Drangvolle Enge überall und ein Durchkommen ist ohne ein gemäßigtes Einsetzten der Ellbogen kaum möglich. Über allem schwebt eine Wolke von aromatisiertem Rotwein. In einer Nische, die durch das zurückwerfen der Schallwellen eine gute Akustik verspricht, stehen ein paar Bläser aus St. Petersburg und spielen Stille Nacht....(Die armen Einwohner von St. Petersburg haben vor Weihnachten keine Musik, weil alle ihre Musiker auf deutschen Märkten stehen).
Die Buden sind auf zwei Plätze verteilt, die durch ein Straße verbunden sind – da muss ich durch. Als wenn man versuchen würde, einen reißenden Strom zu durchqueren, bin ich bemüht, mir einen Weg zu bahnen, immer auf der Hut, nicht vom Glühwein verbrüht zu werden, oder in einem Kinderwagen zu landen.
Ich will meinen Zug erreichen! Beinahe erfasst mich Panik.
Atemlos und erschöpft erreiche ich dann doch meine Bahn, die überfüllt ist mit Personen, die sich, voll bepackt mit Tüten und Kartons ebenso auf dem Heimweg befinden. Manche haben auch etwas zu viel vom Glühwein genossen, und haben Mühe, die Richtung zu finden oder sich aufrecht zu halten.
Bei so viel Weihnachts-Rummel möchte ich zu Hause nur noch abschalten. Dort empfängt mich jedoch die Familie mit ihren Erwartungen.
Meine Mutter verkündet jedes Jahr trotzig, sie bleibe am Fest zu Hause vor dem Fernseher, was natürlich überhört wird.
Die Tochter besteht auf der Tradition, eines reich geschmückten Weihnachtsbaumes, und um uns zu entlasten, möchte sie dies auch selbst vornehmen. Zwei Tage zuvor kommt sie angereist, da sie sich vor Heilig Abend traditionell mit ihren Schulfreunden trifft. Solche Freundschaften sind etwas Seltenes, deshalb wird das Wiedersehen bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.
Am nächsten Tag muss ich sie dann um die Mittagszeit, daran erinnern, dass sie den Baum schmücken wollte und sie deshalb langsam aufstehen sollte. Am Nachmittag haben wir dann auch jedes Jahr einen wunderschönen Baum mit Wachskerzen.
Die Ersten sind schon auf dem Weg zur Kirche. Es ist auch Beeilung angesagt, um einen Platz zu ergattern. Denn einmal im Jahr möchte man doch wenigstens für die Kirchensteuer etwas geboten bekommen.
Für mich beginnt in jedem Jahr Weihnachten, wenn vom Rathausturm die Turmbläser Weihnachts-Lieder spielen. Viele versammeln sich auf dem Platz davor und genießen mit mir, den Moment des Abschaltens von der Hektik.
Wieder zu Hause werden die Lichter angezündet und Geschenke verteilt, und anschließend versammeln wir uns um den Tisch zum Festessen. - Ohne einen riesigen Vogel, der uns mit seiner Masse zu erschlagen droht.
Ich koche gerne, sogar sehr gerne, was dazu geführt hat, dass die Ansprüche der Familie auch stetig wachsen. Nach drei Tagen, die ich fast ausschließlich in der Küche verbracht habe, ist der Enthusiasmus trotzdem etwas verflogen.
Am ersten Tag nach Weihnachten, beginnt in in der Damen-Abteilung das eigentliche Weihnachts-Geschäft. Fast jeder hat Urlaub, und den ganzen Stress hinter sich gelassen. Geldgeschenke werden in Waren umgetauscht, Gutscheine eingelöst, und die Männer, die vor wenigen Tagen noch so glücklich schienen, tauschen mit verlegener Miene um.
Ach wie freue ich mich auf den Neujahrstag, da ist Weihnachten noch so weit weg!
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