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Samstag, 13. Juni 2015
MEIN WEG
WENN meine Freundin nicht nach dem Vorbild ihrers Bruders den Lateinzug am Gymnasium gewählt hätte, wäre die Wahl meines Bildungsweges mit hoher Wahrscheinlichkeit anders ausgefallen und meine Schulzeit in der Erinnerung nicht so negativ belegt.
WENN irgendwer meine Kreativität und Begeisterung für Modedesign wahrgenommen hätte, wäre ich nicht in einem Beruf gelandet in dem ich mich nie wirklich zu Hause gefühlt habe.
WENN ich Anfang der siebziger Jahre aus dem Umfeld der pseudo-intelektuellen Hippie-Szene, die mich als neuer Trend faszinierte nicht verabschiedet hätte um mich in einer Disco der Oberflächlichkeit hinzugeben, wäre ich nicht dem Mann begegnet mit dem ich seit vierzig Jahren mein Leben mehr oder weniger teile.
WENN mich mein Job nicht so angeödet hätte, wäre vielleicht eine große Karriere möglich gewesen, ohne dass meine biologische Uhr unüberhörbar hätte angefangen zu ticken und ich meine Zukunft plötzlich in der Mutterrolle sah.
WENN der Bauträger, bei dem ich um meinen Rentenanspruch nicht zu verlieren gearbeitet habe mich wegen Insolvenz nicht freigestellt hätte, wäre mein Traum von der eigenen Boutique wohl nie in Erfüllung gegangen, der mich allerdings selbst scheitern ließ.
Immer wieder steht man vor der Entscheidung, die eine oder andere Richtung einzuschlagen. Kein Weg ist genau vorgezeichnet. Die einmal getroffene Entscheidung kann allerdings nicht revidiert werden und den einmal gewählten Weg muss man unaufhörlich weitergehen. Ein Zurück, um eine andere Richtung einzuschlagen gibt es nicht.
Freitag, 22. Mai 2015
MACHT
Macht
- erworben durch intelligente Strategien, unterdrücken
Herrscher die Massen mit Ignoranz der Individuen.
In
Alltagsgrau und Bedeutungslosigkeit versunken und nur durch
Glücksfall oder juristische Schachzüge zu kleinen Herrschern
aufgestiegen. Allein den eigenen Vorteil sehend und Konsequenzen
ausblendend, im debilen Rausch der Macht. Besoffen von seligem
Hochgefühl und blind für die Gefühle anderer.
Ihr
werdet sterben, irgendwann, und nichts wird übrig bleiben, als ein
schlechter Geschmack, in den Kehlen der Erniedrigten.
Montag, 4. Mai 2015
Die Fabel vom Veilchen, das groß und stark werden wollte.
Es ist Frühling. Die Narzissen stehen in voller Blüte und strahlen
in leuchtendem Gelb. In Gruppen versammelt strecken sie ihre
fröhlichen, jungen Gesichter der Sonne entgegen und lassen sich von
ihr streicheln. Die allseitige Beachtung und Bewunderung genießend
tanzen sie sanft im Wind.
Einsam, mit traurigen Augen und in dunklen violetten Samt gekleidet
steht ein kleines Veilchen am Wegesrand. Erst gegen Abend bescheint
die untergehende Sonne sein Bett aus Moos, von wo es voller Sehsucht
zu den strahlenden Narzissen schielt.
„Ich bin so klein und unscheinbar, in meinem dunklen Kleid werde
ich an diesem schattigen Platz von niemandem beachtet. Die Narzissen
blicken voller Hochmut zu mir herüber. Niemals werden sie mich bei
sich aufnehmen.“
Vor lauter Kummer lässt das Veilchen sein kleines Köpfchen hängen,
während es mit seinem Schicksal hadert.
„Wenn ich mich sehr anstrenge und alle Kräfte mobilisiere,
vielleicht kann ich dann noch wachsen!“
Seine feinen Wurzeln bohrt es auf der Suche nach wertvoller Nahrung
tiefer und tiefer in die Erde. An nichts anderes kann dieses zarte
Blümchen mehr denken, als ebenso schön und begehrenswert wie die
Narzissen zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen wendet es mit einem
unbändigen Willen seine ganze Kraft auf, um sich alles aus dem Boden
zu saugen, was dieser herzugeben imstande ist.
Diese harte Arbeit und übernatürliche Anstrengung wird im Sommer
belohnt. Aus dem unscheinbaren Veilchen hat sich eine kräftige,
hochgewachsene Rose mit feuerroten Blütenblättern entwickelt. Wie
ein Sonnenuntergang über dem Meer, so leuchtend rot streckt sie sich
gen Himmel.
Zu ihrem Schutz hat sie sich in ein Dornenkleid gehüllt. Niemand
soll sie mehr verletzen.
Glücklich, weil von jedermann bewundert blüht sie bis spät in den
Herbst in ihrer vollen Schönheit.
„Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen“, tuscheln die
inzwischen verwelkten und vertrockneten Narzissen voller Neid. „Mit
Sicherheit verfügt sie über ein geheimes Zaubermittel, das ihre
Frische erhält.“
Die Rose ignoriert, was über sie geredet wird. Nur sie allein weiß,
welcher Kraftaufwand und wie viel Disziplin nötig waren, um sich
ihren Traum zu erfüllen.
Die Moral von der Geschichte:
Bist du ein Nichts, bleibst du unbeachtet. Hast du Erfolg, bringt es
dir zwar Neider, aber innere Befriedigung.
Dienstag, 28. April 2015
Hexen
Hexen sind hässliche alte Weiber, hausen im dunklen Tann, wo sie kleinen Kindern auflauern, um sie mit Süßigkeiten zu mästen.
Trotz ihrer Kenntnis, um geheimnisvolle Zaubertränke, ist der Rücken von Osteoperose gekrümmt und die Fingergelenke sind arthritisch verdickt.
Für ihre Flugreisen wählen sie einen wenig komfortablen Besen, der sie allerdings schneller befördert, als jedes andere Verkehrsmittel.
Ein Mythos aus längst vergangenen Zeiten. Vergesst, was ihr darüber gehört habt!
Hexen tragen Armani, reisen bequem im Cabrio und - sind rothaarig.
Ihr Körper ist aufgrund Pilates gestählt.Die Haut ist weiß und durchsichtig bis auf die feinen Blutgefäße. Die roten Pigmente der dichten Mähne strahlen im Licht.
Ihre Magie ist wesentlich subtiler.
Männer verzaubern sie in Traumprinzen. Aber wehe,wenn diese in Ungnade fallen, dann werden aus ihnen flügellahme, komische Vögel.
Deshalb hütet euch vor den Töchtern der Wikinger!
Mittwoch, 15. April 2015
Phase 3
Sammeln
gehört wohl zu den Urinstinkten des Menschen. Kaum geboren, noch
bevor wir selbst dazu in der Lage sind wird für uns gesammelt. Meist
sind es kleine Geschenke aus Gold oder Silber, die als Andenken an
den Tag der Taufe gedacht sind und uns ein ganzes Leben begleiten
sollen.
An der
Kommunion oder Konfirmation wird diese Sammlung noch erweitert und
zur Hochzeit richtig ausgebaut. Als Tochter konnte man zu meiner Zeit
ohnehin noch eine umfangreiche Aussteuer vorweisen. Alles Werte,
welche die Zeit überdauern.
Kommt
das erste Kind, gibt es wieder eine Vielzahl von Anschaffungen bei
denen man hofft, sie finden eine weitere Verwendung und lagert sie
bei ausreichendem Platz vorsorglich ein.
Tag
für Tag geht man über viele Jahre hinweg zur Arbeit, um Geld zu
verdienen von dem noch mehr Dinge angeschafft werden. Die Geschenke
werden größer und vielleicht wertvoller. Das meiste davon verfügt
auch nur über eine geringe Halbwertszeit, da nur einem kurzlebigen
Trend gefolgt wurde oder die von der Industrie vorgesehene
Haltbarkeitsdauer abgelaufen ist.
So
versammeln sich Gegenstände, die nicht gebraucht werden in Räumen,
die keine anderweitige Nutzung beanspruchen.
Mit
Eintritt in die dritte Lebensphase, dem Rentenalter findet dieser
Prozess seinen Abschluss. Man spürt dass etwas völlig Neues
beginnt.
So wie
sich die Natur verändert, sind auch wir dem Wandel unterworfen.
Jedoch Veränderung erfordert Mut und die Kraft seine sichere
Komfortzone zu verlassen und sich von Liebgewordenem zu trennen.
Als
Erstes sollte man all das in Frage stellen, was die Zeit überdauert
hat, von ihr aber gleichzeitig überholt wurde.
Ob die
Ehe gefährdet ist, wenn ich das Brautkleid, das annähernd vierzig
Jahre im Schrank überdauert hat weggebe? Bei den Schlittschuhen und
Rollerblades, die schon lange auf eine weitere Aktivierung warten ist
zu bedenken, dass die Knochen und Gelenke mittlerweile doch einen
Teil ihrer Elastizität eingebüßt haben.
Die
silbernen Kuchengabeln Modell „Hildesheimer Rose“ haben seit der
Konfirmation ihr Dasein vergessen in einer Ecke des Schrankes
gefristet und das gute zwölfteilige Tafelporzellan mit Goldrand aus
der Aussteuer kommt jährlich einmal an Weihnachten zum Einsatz.
Dann
ist da noch das Baby-Bett, bei dem davon ausgegangen wurde, dass
irgend ein weiteres Familien-Mitglied seine ersten Wochen darin
verbringt. Eigentlich ist doch egal, ob es in direkter Linie
weitervererbt wird oder ob sich ganz neue Gene darin entwickeln
können.
Im
ersten Moment ist Loslassen schmerzlich, aber sobald man die
Blickrichtung ändert stellt man fest, dass es sich ohne Ballast
glücklicher lebt. Sich leicht und frei wie ein Vogel in die Lüfte
zu erheben mit der Neugier auf neue Horizonte. Oder etwa wie
Superman? - Weil man sich ein gewisses Maß an Anarchie endlich
leisten kann.
Freitag, 27. März 2015
Not just sad
Noch nie ging es einer Generation so gut wie den heutigen Endzwanzigern. Sie sind gut ausgebildet, haben alle Möglichkeiten, können sich frei entfalten, die Welt steht ihnen offen und doch sind sie unglücklich, leiden unter Depressionen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit.
In diesem Alter hat man heute schon alles erlebt. Im sicheren Job wurden schon alle Kontinente bereist, man hat eine oder mehrere Partnerschaften hinter sich und möchte nun endlich ankommen. Nur wo?
Von allem soll es das Beste sein, nur ist es das, was ich schon habe? - Oder lässt sich alles noch steigern. Alle anderen scheinen glücklicher und erfolgreicher. Warum bin ich nicht glücklich und fühle mich statt dessen müde, krank und ausgebrannt?
Da in unserer Leistungsgesellschaft nur der Starke zählt, traut sich keiner von diesen Erfolgreichen und doch Hoffnungslosen seine innere Zerissenheit einzugestehen, um nicht als Verlierer dazustehen. In Wirklichkeit sind die Kliniken für psychosomatische Krankheiten überlastet und wer dringend auf Hilfe angewiesen ist, wartet oft monatelang.
Sichtbar wird die Tragödie erst dann, wenn der inneren Zerstörung die äußere folgt.
Dienstag, 17. März 2015
Speed Dating
Das
glaub' ich jetzt nicht! Auf meinem Handy erscheint eine eMail mit
einer Einladung zur Leipziger Buchmesse. Sieben Minuten gibt man mir
Zeit, um bei einem Dating mit einem Verlag mein Manuskript
vorzustellen.
Natürlich
habe ich mich vor ein paar Wochen über ein Forum Junger Autoren
für diese Veranstaltung angemeldet, aber doch niemals mit einer
Einladung gerechnet. Anscheinend hat man mich aufgrund meines Exposés
und meines Blogs einer Teilnahme für würdig befunden.
In
zehn Tagen, sonntags um 12 Uhr ist der Termin bereits, da bleibt mir
bei einer sechsstündigen Anfahrt keine andere Möglichkeit, als
einen Tag vorher anzureisen und zu übernachten.
Ob
wohl schon alle Hotels ausgebucht sind?
In
Kombination mit einer Bahnfahrkarte gibt es noch ein Zimmer und ich
buche sofort. Da sollte man nicht lange überlegen.
Mein
Manuskript muss noch vervollständigt und das bereits vorliegende
Exposé ergänzt werden.
So
ausgerüstet fahre ich nach Leipzig und erreiche am späten
Nachmittag den dortigen Bahnhof. Der ist gigantisch groß und völlig
verwirrend. Verschiedene Ebenen sind mit Rolltreppen verbunden und
ich sehe keinen Hinweis darauf, wo ich dieses Gebäude verlassen
kann.
Nachdem
ich mich bis zum Ausgang durchgefragt habe, beschließe ich die
Gelegenheit zu nutzen, in dieser mir bisher unbekannten Stadt einen
kleinen Stadtbummel einzulegen, wobei ich von dem historischen
Stadtbild sehr angetan bin.
Wie
ich leider feststellen muss liegt das Hotel, welches ich so
kurzfristig gebucht habe ziemlich außerhalb der Stadt und die
Anbindung durch ein öffentliches Verkehrsmittel ist eher ungünstig.
Bevor ich umherirre, nehme ich mir doch lieber ein Taxi, zumal es
schon dunkel wird.
Am
Taxistand winkt mir schon von weitem ein freundlicher älterer Herr
zu - ein echter Leipziger, wie sich später herausstellt. Bei der
Angabe meines Fahrtzieles stutzt er und weist mich darauf hin, dass
es von dieser Hotelkette zwei Häuser in der Stadt gäbe. Bei meinen
Anmeldepapieren finde ich weder einen Straßennamen, noch eine
Telefonnummer (habe ich einen Teil der vielen Unterlagen vergessen?).
Er
macht mir daraufhin den Vorschlag, zuerst ins näher gelegene Hotel
zu fahren und auf mich zu warten, bis ich mich erkundigt habe, ob ich
dort registriert bin. Mit dem Fahrstuhl geht es kurz in die siebte
Etage, wo sich die Reception befindet und erhalte dort die Auskunft,
im anderen Hotel gleichen Namens gebucht zu haben.
Weiter
geht die Fahrt. Mein Taxi-Chauffeur gestaltet sie mit seinem
sächsischen Humor recht kurzweilig und erzählt, Jahrgang 43 sei er
(von wegen Rente mit 63).
Beim
Einchecken im Hotel weist mich die junge Dame an der Reception darauf
hin, ich möge doch mein Frühstück erst nach neun Uhr einnehmen, da
zwei große Reisegruppen im Haus seien.
In der
Sitzgruppe daneben warten zwei Frauen auf den Arzt, weil eine davon
ohnmächtig wird oder zu ersticken droht.
Mir
scheint ganz Leipzig ist im Ausnahmezustand.
Ich
freue mich nun endlich auf die Ruhe in meinem Zimmer. An der Türe
klebt das Nichtraucher-Zeichen. Ist mir recht, obwohl ich es nicht
ausdrücklich verlangt habe. Jedoch beim Betreten des Zimmers habe
ich den Eindruck, eine Kneipe am Morgen in den Siebzigern zu
betreten. Das Zimmer wurde wohl noch am selben Tag zu
Nichtraucher-Zimmer deklariert.
Gegessen
habe ich auch schon längere Zeit nichts mehr. Ins Restaurant möchte
ich eigentlich nicht, deshalb frage ich nebenan in der Sports-Bar den
sympathischen Barmann, ob man irgendwo vielleicht nur eine
Kleinigkeit bekommt.
„Nehmen
sie bitte hier Platz und wählen etwas aus der Karte.“
Die
zwei großen Bildschirme mit Fußball-Übertragung empfinde ich zwar
ziemlich störend, aber lange möchte ich mich auch nicht
aufhalten.
„Ich
hätte gerne den Salat mit Roastbeef und ein Köstritzer Bier,“
gebe ich meine Bestellung auf.
„Haben
sie etwas Zeit? Unsere Küche ist ziemlich im Stress,“ erklärt mir
der freundliche Barmann mit Migrations-Hintergrund.
Nachdem
er bei mir eine gewisse Unschlüssigkeit erkennt, fordert er mich auf
ihm zu folgen. Um die Ecke ist ein unberührtes kaltes Buffet voller
Köstlichkeiten aufgebaut, davon solle ich mir nehmen soviel ich
möchte, es koste sechs-fünfzig.
Der
Tag war recht ereignisreich und trotz einer gewissen Anspannung wegen
meines Dates am nächsten Tag bin ich müde genug, um gut zu schlafen
und bin deshalb auch schon früh ausgeruht, um vor neun Uhr beim
Frühstück zu sein. Tatsächlich herrscht noch ein ähnlicher
Betrieb wie in einer Bahnhofshalle, aber es lichtet sich schon
allmählich, sodass ich einigermaßen ruhig mein Frühstück
einnehmen kann.
Beim
Auschecken lasse ich mir ein Taxi rufen und man bittet mich in der
Lounge zu warten, der Fahrer würde mich dort abholen.
Nach
einigen Minuten kommt ein seriös wirkender Herr im dunklen Mantel
durch die Eingangstür, spricht mich mit meinem Namen an und fragt
mich, ob ich ein Taxi bestellt habe. Leicht verwundert bejahe ich
und werde zu der großen schwarzen Mercedes-Limousine begleitet, die
direkt vor dem Eingang steht wo man mir die Türe zum Fond aufhält.
Nach
der Nennung meines Zieles muss ich nun doch nachfragen, ob ich denn
tatsächlich in einem Taxi befördert werde, nachdem ich auch kein
Schild entdecken konnte, worauf der Herr am Steuer ganz locker
antwortet, er käme vom Limousinen Service.
Nun
ja, wer erfolgreich sein will muss klotzen und darf nicht kleckern.
Deshalb kann es nicht schaden, mit Chauffeur vorzufahren, solange ich
keinen Aufpreis dafür zahlen muss.
Die
offizielle Öffnung der Messehallen beginnt erst und ich habe
außerdem noch viel Zeit, mich vor meinem Termin in den Hallen
umzusehen. Dort finde ich auch den Stand des Verlages mit dem ich in
Kontakt treten soll und schaue mich dort um. Das Programm ist mir
zwar einigermaßen bekannt, aber was ich dort sehe, sind nur
Biografien von berühmten Personen. Bei diesem Genre denke ich nicht,
dass wir zusammenkommen werden, da es sich bei meinem Manuskript eher
um einen Roman handelt und meine Großmutter bislang noch nicht
berühmt ist.
Um elf
Uhr melde ich mich für die Veranstaltung an, hole meine Terminkarte
und setze mich schon leicht erschöpft ins Foyer auf ein Sofa.
Im
Vorfeld war meine Anspannung recht groß, weil ich bei diesem
Speed-Dating einen Partner finden soll – also einen
Verlags-Partner, aber in den letzten Stunden ist meine Anspannung
regelrecht verflogen. Ich geh' da jetzt einfach rein denke ich mir,
und erzähl' ein bisschen was. In sieben Minuten kann jemand eh nur
einen kurzen, allgemeinen Eindruck gewinnen.
Eine
Viertelstunde vorher, nehme ich auf der Stuhlreihe an der Seite des
Raumes Platz. Wie in der Tanzstunde, wo man wartet bis man
aufgefordert wird.
In der
Mitte des Raumes sind kleine Tische verteilt, an denen sich immer
zwei Personen gegenüber sitzen.
Der
Gong ertönt. Ich bin dran. Der Verleger begrüßt mich freundlich
lächelnd und stellt fest, dass ich ihm schon an seinem Stand
aufgefallen sei. Meine Geschichte fasse ich in wenigen Worten
zusammen und er lässt mich erzählen. Dieses Lächeln irritiert mich
etwas.
Er
erklärt mir, was ich zwischenzeitlich schon wusste, dass meine
Geschichte nicht in sein Programm passt und gibt mir noch einige
Tipps, wohin ich mich wenden kann. Wieder ertönt der Gong und er
entlässt mich mit dem Wunsch, dass ich Erfolg habe.
Zumindest
hatte ich das Gefühl als Person zu überzeugen. Es war eine tolle
Erfahrung, die mir ein Stück Sicherheit gab mein Ziel weiter zu
verfolgen.
Zum
Bahnhof fahre ich wie gewöhnliche Leute mit der Tram und gehe vor
meiner Heimreise in der Innenstadt zum Essen – Leipziger Allerlei
und danach Eierschecke.
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