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Sonntag, 26. Oktober 2014
Hoffnung
Für einen Samen bedarf es weniger als eine Handvoll Erde, um aufzugehen.
Die Natur verleiht ihm die Kraft, selbst aus einem Stein einen Baum wachsen zu lassen.
Auch der Mensch trägt in sich solch ein starkes Fundament, auf das nur ein Funken der Hoffnung treffen muss, um Großes entstehen zu lassen.
Sonntag, 19. Oktober 2014
Unfrisierte Erinnerungen Teil 1
Im April 1990, kurz nach dem Fall der Mauer sucht beinahe jeder sein Glück im anderen Teil der Republik.
In Ostdeutschland ist man auf der Suche nach Jobs und westdeutsche Firmen erhoffen sich einen riesigen Markt im Osten.
So auch eine große Kosmetikfirma, die dort ihren Bekanntheitsgrad ausdehnen will. Zur Vermarktung ihrer Haarpflege-Produkte engagiert sie den süddeutschen Friseurverband.
Mein Friseur Ralf ist natürlich auch mit von der Partie, da er sich durch diverse Preise einen Namen erworben hat. Ich habe mich für ihn schon des öfteren als Frisuren-Model zur Verfügung gestellt, deshalb werde ich gleich mit engagiert.
Frühmorgens erwartet uns ein super moderner Luxusbus, bereits besetzt mit wichtigen Leuten aus dem Management der Innung und der Kosmetikfirma, ein paar Jungfriseuren und noch mehr Models.
Etwas schläfrig, und von der Bus-Disco berieselt fahren wir gen Osten.
Erst als sich die Landschaft in ein sattes Grau verwandelt, bemerke ich, dass wir den Westen verlassen haben. Bald ragen aus dieser Ödnis überraschend weiße Flaggen mit roter Aufschrift - „Toyota“ war schon vor uns da und je näher wir Leipzig kommen, desto mehr Autofirmen begegnen uns. Bei der bislang chronischen Unterversorgung, erhoffen sie sich einen riesigen Boom.
Unser Bus scheint ungewöhnliche Aufmerksamkeit zu erregen. Als wären wir Pop-Stars, stehen Menschen am Straßenrand und winken uns zu. Das Gefühl, so freundlich empfangen zu werden, ist einerseits überwältigend, andererseits einigermaßen irritierend. Womit haben wir uns das verdient? Heißt man uns als Gäste willkommen, oder als Botschafter der lang ersehnten Konsumgüter?
Auf dem Weg zu unserem Auftrittsort fahren wir durch die Innenstadt von Leipzig. Mit ihren alten Gebäuden wirkt sie sehr beeindruckend. Wenn nur nicht alles von diesem Grau überzogen wäre, hervorgerufen durch den Ausstoß der Braunkohle-Heizungen.
Noch ist auf den Gehwegen vor einigen Kellerfenstern Braunkohle aufgehäuft und wartet darauf, in die Keller befördert zu werden.
Bevor wir der Stadt etwas bieten, werden wir zum Essen eingeladen. In ein großes Speiselokal in dem zu seiner Zeit Staatssekretär Honecker bei seinen Besuchen zu dinieren pflegte. Das Lokal besitzt die nüchterne Atmosphäre einer Bahnhofshalle, ist aber durch unzählige kleine Lampen an der Decke hell erleuchtet. Die Kellner, an den Umgang mit prominenten Gästen gewöhnt, sind flink, devot und zu keinem Lächeln bereit.
So verwöhnt, brechen wir auf, um in einem Rundbau in der Innenstadt das Abendprogramm zu gestalten. Bei unserem Eintreffen sind alle noch mit den Vorbereitungen beschäftigt.
Bevor sich der Saal füllt, wird noch eifrig geputzt.
Das Interesse ist überwältigend. Der Saal ist bald bis zum letzten Platz besetzt.
Ralf beginnt die Schere zu schwingen. Haare fliegen während er erklärt und seine kleinen Anekdoten und Witze erzählt. Der Föhn summt, es wird toupiert und zuletzt verschwindet die ganze Pracht in einem Nebel von Haarspray. Ich präsentiere das Kunstwerk auf der Bühne von allen Seiten. Die anderen Models gesellen sich mit ihren Kreationen dazu und das Publikum applaudiert mit großer Begeisterung.
Der größte Teil des Abends wäre somit bestritten. Ganz zum Schluss ist noch ein „Lambada“, von uns getanzt vorgesehen, auf besonderen Wunsch von ein oder zwei reiferen Herren vom Management. Aber zuvor steht noch eine musikalische Einlage von Musikern des Gewandhaus-Orchesters auf dem Programm.
Man stelle sich vor, da kommen ein paar Friseure mit ihren Modellen aus der Provinz und treten zusammen mit dem weltberühmten Gewandhaus-Orchester auf!
Bei den Klängen einer Komposition von Bach herrscht andächtige Stille. Wir sind überwältigt. Erfüllt von diesem wunderbaren Konzert möchte man im Anschluss nur nach Hause gehen und den Nachhall genießen.
LAMBADAAAA !!!
In unseren pinkfarbenen Röckchen und den knappen Oberteilen sind wir an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Jeder von uns spürt dies, aber da die Organisatoren es sich so wünschen, muss die Show weitergehen.
Vielleicht hält man uns nun im Osten für Banausen ohne Kunstverstand.
Teil 2 und 3 im Anschluß!
Sonntag, 12. Oktober 2014
Unfrisierte Erinnerungen Teil 2
Nach unserem unrühmlichen Abgang in Leipzig wird alles schnell zusammengepackt und im Bus verstaut, da wir noch am selben Abend weiterfahren. Nach Karl-Marx-Stadt oder Chemnitz, so genau weiß man das noch nicht. Die Entscheidung über den neuen, endgültigen Städtenamen steht noch aus.
Gegen Mitternacht kommen wir dort an, um im besten Hotel der Stadt zu übernachten. Auf dem Platz davor prangt ein monumentaler Kopf von Karl Marx, der mit versteinerter Miene geradeaus blickt, was höchstwahrscheinlich am Material liegt, aus dem er geschaffen ist.
Wie Johannes der Täufer nach der Enthauptung thront dieser Kopf auf einem Sockel. War nur sein Kopf von Bedeutung? Das Herz und was sonst noch eine Menschen ausmacht, ist zu vernachlässigen? Ich bin zu müde, um mir weitere Gedanken darüber zu machen.
Das Zimmer, welches ich mir mit einem anderen Model teile, erinnert mich an ein Kinder- oder Jugendzimmer. Die zwei Betten aus Pressspan stehen hintereinander und haben einen Umbau mit verschiedenen Fächern.
So schnell wie möglich ins Bett! Nur noch Waschen und Zähneputzen.
Das Bad! - In einem 1. Klasse Hotel hätte ich niemals erwartet, solch ein Bad vorzufinden.
Eine schwarz gekachelte Höhle, unterbrochen von komplett anders gestalteten Fliesen. Es wurde wohl eingebaut, was gerade aufzutreiben war.
Am Wasserhahn über dem Waschbecken hängt ein kleiner orangefarbener Gummischlauch. Zuletzt sah ich das bei meiner Großmutter auf dem Bauernhof über dem Spülstein.
Beim Blick in die Dusche, eröffnet sich mir eine fremde Welt. Die Mulde will man nicht unbedingt mit bloßen Füßen betreten und beim Blick nach oben, in Richtung des Duschkopfes, ragen von der Decke lange, schwarze Schlieren wie die Stalagmiten einer Tropfsteinhöhle.
Da stellt sich nun die Frage: Was ist hygienischer, sich in diese Tropfsteinhöhle zu stellen, oder ausnahmsweise nicht zu duschen. Ich entscheide mich für Letzteres.
Nach der morgendlichen Katzenwäsche und dem Frühstück soll es zu unserem nächsten Auftrittsort, einem sogenannten „Volkseigenen Betrieb“ gehen. Das „Management“ ist mit dem Bus bereits vorausgefahren. Wir Modelle werden von Ralf in einem nahegelegenen Friseursalon für den Auftritt vorbereitet. Zurück im Hotel bittet er die Dame an der Rezeption, uns ein Taxi zu rufen.
Mehrmals, und mittlerweile ziemlich nervös, weil ohne Erfolg, dreht sie an der Wählscheibe ihres roten Telefons.
„Mit einem roten Telefon kommt man bei uns direkt zu Gorbatschow und hier reicht die Verbindung nicht mal bis zum nächsten Taxistand!“ meint Ralf nun doch etwas ungeduldig.
Der jungen Frau steht die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben: “Es ist Sonntag und bei uns ist heute Jugendweihe, da sind alle Taxis ausgebucht.“
Irgendwann steht dann doch ein „Wartburg“ vor dem Eingang. Für vier Fahrgäste wird es ziemlich eng, aber sowohl für den Fahrer, als auch für uns wird die Fahrt ein heiteres Erlebnis.
Im „VEB“ bekommen wir in der Kantine ein Mittagessen serviert, bei dessen Anblick das Wort Sättigungsbeilage eine eigene Bedeutung erhält.
Vielleicht liegt es an der Tageszeit, oder an der Lokalität, oder auch an der Jugendweihe, dass die Zuschauer an diesem Nachmittag nicht so zahlreich erscheinen, wie am Abend zuvor.
Zwischen dieser Stadt und uns will ein Sympathiefluss noch nicht ungehindert strömen.
Dritter und letzter Teil im Anschluß!
Sonntag, 5. Oktober 2014
Unfrisierte Erinnerungen Teil 3
In Karl-Marx-Stadt (oder Chemnitz) halten wir uns nicht mehr lange auf. Das nächste Ziel unseres Werbefeldzuges in den Osten ist Dresden. Die Perle Sachsens, die durch den Krieg ein schweres Erbe angetreten hat. Ich bin wirklich neugierig, was man uns vierzig Jahre vorenthalten hat.
Am späten Sonntag-Nachmittag erreichen wir Dresden.
Entlang der Elbe fahrend, eröffnet sich uns auf der gegenüberliegenden Seite der Blick auf die wunderbare barocke Silhouette der Stadt mit ihren alten Gaslaternen und den restaurierten Gebäuden.
In der Prager Straße sollen wir in einem Friseursalon für unseren nächsten Auftritt vorbereitet werden.
Was ist nur aus dieser einst prachtvollen Flaniermeile geworden? - Eine kahle Betonwüste!
Der Salon ist für diese exponierte Lage viel zu groß. Im Westen wäre die Miete unbezahlbar.
Wir nehmen Platz auf den Sesseln, einem Standartmodell, dem man hier überall begegnet. In der Luft liegt der leicht ätzende Duft von Dauerwell-Tinktur und auf den Frisiertischen stehen unbeschriftete Fläschchen mit toxisch anmutenden Flüssigkeiten in rot, gelb und blau. Haarfärbemittel. Glücklicherweise müssen wir nicht darauf zurückgreifen.
Der Besitzer ist äußerst stolz, uns bei sich empfangen zu dürfen. Er hofft auf einen Vertrag mit der Kosmetikfirma, die ihm den Salon modernisieren soll. (Nicht nur er wartet auf die versprochenen blühenden Landschaften.)
Dem Dresdener Publikum stellen wir uns am Abend im Hygiene-Museum vor.
Im weitesten Sinne bieten wir zwar auch Körperpflege an, aber im Museum...? Vom gläsernen Menschen, der dort stehen soll habe ich gehört. Auf Knopfdruck kann man die einzelnen Organe zum Leuchten bringen, aber wie will man uns dort in Szene setzen?
Tatsächlich gibt es auch noch einen großen Saal, in dem für uns ein langer Laufsteg aufgebaut wurde.
Vor ausverkauftem Haus, präsentieren wir nochmals internationales Friseur-Handwerk.
Voller Schwung, im Takt der Musik betrete ich solo den Laufsteg.
… zack – das Licht ist weg. Mich umgibt rabenschwarze Nacht. Wir haben es wohl geschafft, das Stromnetz zum Erliegen zu bringen. Hilflos und regungslos stehe ich da.
Doch man hat dort alles im Griff. Die Scheinwerfer sind wieder auf mich gerichtet und ich kann meinen Lauf beenden. Sogar ein extra Applaus wird mir zuteil, oder soll er den patenten Handwerkern gelten, die im Hintergrund das Malheur so schnell behoben haben?
Kein 'Lambada' zum Abschluss, dafür werden Geschenk-Sets, die einen Fön und Haarpflegemittel enthalten an einige Zuschauer in den vorderen Reihen verteilt.
Der Gedanke an eine Raubtierfütterung drängt sich auf, wie die Hände sich gierig nach den Plastik-Beuteln ausstrecken.
Auf diese Weise wird mit Sicherheit der falsche Eindruck vermittelt, im Westen sei alles im Überfluss vorhanden und große Geschenke werden einfach unters Volk geworfen. Dabei ist doch die einzige Bestrebung, in den Menschen, die noch nicht durch eine Werbe-Flut abgestumpft sind die Sehsucht nach dieser Marke zu wecken, der sie von nun an ein Leben lang die Treue halten sollen.
„Sitzt im Publikum eine Frau, die in nächster Zeit heiraten möchte?“
Sofort wird eine Hand nach oben gestreckt.
„Haben sie schon ein Brautkleid? Noch nicht? - Dann bekommen sie von uns eines geschenkt!“
Weinend vor Glück und unter tosendem Applaus nimmt die junge Frau den Traum in Weiß entgegen.
Zwei erfolgreiche, aber anstrengende Tage liegen hinter uns. Müde, aber immer noch angespannt fahren wir zu unserem Nachtquartier.
„Nach Bautzen!? - Das ist doch ein berüchtigtes Gefängnis!“
Was erwartet uns wohl heute?
Im Gefängnis landen wir nicht, dafür in einer von einem freundlichen Ehepaar privat geführten Pension mit beinahe westlichem Standard. Die absolute Krönung ist das kalte Buffet, das für uns aufgebaut wurde. Nach dem Entzug von kulinarischen Highlights stürzen wir uns auf belegte Wurst- und Käsebrote, Spreewälder Gurken, Eiern und, und, und...
Dazu Radeberger Pils, was auch die allgemeine Stimmung merklich steigen lässt. Das Wirts-Ehepaar bedient uns zuvorkommend, reserviert und etwas unsicher, ob man diesen verrückten Wessies wirklich trauen kann.
„Gibt's auch Rotkäppchen-Sekt hier?“ erkundigt sich Ralf und erzählt einen Witz nach dem anderen. Natürlich bekommen wir auch den gewünschten Sekt und Ralf lädt die Wirtsleute ein, sich zu uns an den Tisch zu setzen. Der Alkohol zeigt seine Wirkung und bald dürfen wir auch über Sachsen-Witze lachen.
Bis zur wirklichen Einheit ist es noch ein langer Weg, aber ein winziger Anfang ist gemacht.
Freitag, 12. September 2014
Begegnungen am Montag
Mir gegenüber sitzt ein betagter Herr mit einer Tasche. Montags um halb zehn fahren nicht sehr viele Personen mit der S-Bahn, dafür sind sie unterschiedlicher in ihrer Art, als zu einem früheren Zeitpunkt.
Auf dem Platz schräg gegenüber, sehe ich einen älteren Mann mit struppigen, weißen Haaren und einem üppigen Leo-Tolstoi-Gedächtnisbart.
Nach wenigen Haltestellen steht der Herr, mir gegenüber auf und nimmt das Kissen, das er im Rücken hatte unter den Arm. "Wie daheim auf dem Sofa," schmunzle ich innerlich. "Es geht doch nichts über ein bequemes Reisen!"
Tolstoi verlässt ebenfalls die Bahn, dafür steigen zwei Inderinnen mit prachtvollen Saris ein. Der eine in Rot und der andere in Grün, jeweils reich mit schwarzen Pailletten bestickt. Da sich die Temperaturen in unserem Breitengrad nicht zum Tragen eines leichten Saris eignen, haben sich die beiden Damen schwere Wildleder-Jacken über die nackten Schultern gelegt, was der Eleganz einigermaßen abträglich ist.
Eine Station, bevor ich mein Ziel erreicht habe, nimmt links von mir, nach Alter und Optik zu urteilen ein Student Platz und breitet sein Frühstück aus. Den zwei Pappbechern, die er auf die Ablage stellt, entweicht ein eigenartiges Aroma. Einer der Becher beinhaltet zweifelsfrei Kaffee und aus dem Größeren fängt er nach dem Öffnen an zu löffeln - Linsensuppe!
Der Geruch von Linsensuppe kann sehr appetittanregend wirken, aber nicht um diese Tageszeit und nicht in Verbindung mit Kaffee!
Ich bin froh, dieser exotischen Duftorgie an der nächsten Station entfliehen zu können.
Nach einem anstrengenden Arbeitstag mit noch mehr Begegnungen, mache ich mich wieder auf, um von der S-Bahnstation aus meine Heimreise anzutreten.
Noch drei Minuten, steht auf der Anzeigentafel. Meine Füße tun weh. Vielleicht finde ich noch einen Platz auf der Bank - aber was ist da passiert?
Oh Gott, ich bin dermaßen schockiert, dass ich nicht hinsehen kann und sofort ein paar Schritte weitergehe.
Da sitzt ein junger Mann im Rollstuhl. Bis auf Bade-Shorts völlig nackt. Soviel ich in dem kurzen Moment registriere, macht er einen gepflegten Eindruck, aber sein ganzer Oberkörper samt den Armen hängt schlaff vorne über. Er scheint zu schlafen. Seine Beinstümpfe wirken irgendwie verdreht. Ein unerträglicher Anblick.
Hilft denn niemand? Kommt denn da keiner?
Die Personen in der Nähe vermitteln den Eindruck, als ob sie das nichts anginge. Meine Bahn fährt ein. Kann ich denn einfach gehen, ohne etwas getan zu haben?
Es ist schon so spät, außerdem sind da so viele Menschen, sicherlich ist schon Hilfe unterwegs. Ich steige ein und fahre weg, aber mein Gewissen lässt mir keine Ruhe. Ich hätte nicht einfach weggehen dürfen, quält es mich fast während der ganzen Fahrt.
Die ganze Situation schien so unwirklich, außerdem hatte ich kaum hingesehen. Saß da wirklich ein Mensch im Rollstuhl? Rückblickend betrachtet, kann es auch eine Puppe gewesen sein. Die Haut oder Oberfläche war viel zu glatt und makellos für einen Menschen.
Aber was war dies für eine Aktion? War es ein Test, wie viele einfach vorüber gehen? Ich hätte einen schlechten Eindruck hinterlassen.
Ich werde es wohl nie erfahren.
Sonntag, 7. September 2014
Alles nur Fassade
Wo immer man sich auf das Leben einlässt wird man enttäuscht. Alles dauert entweder zu lange, oder nicht lange genug.
Oscar Wilde
Warmherzigkeit und soziales Engagement sind Charaktereigenschaften, die einen Menschen wertvoll machen. Aber nur dann,wenn diese wirklich verinnerlicht in seinem wahren Wesen liegen.
Niemand kann auf Dauer eine glanzvolle Fassade aufbauen. Beim ersten Sturm zeigt sie Risse,bevor sie endgültig fällt.
Sobald aber Kälte und Herzlosigkeit hinter der Maske hervortreten, muss man fassungslos erkennen, wie sehr man sich hat täuschen lassen und spürt den Wunsch aufkeimen, diesem Menschen nie begegnet zu sein.
Mittwoch, 3. September 2014
Der kleine Herr Wu
Arbeit, Arbeit, rennen, laufen...
Tag für Tag geht er seiner Arbeit nach, der kleine Herr Wu. Fleißig, gewissenhaft und davon überzeugt, seine ihm gestellten Aufgaben sorgfältig zu erledigen.
Mit Elan baut er sein Projekt auf und sieht begeistert zu wie es gedeiht, doch bevor er die Früchte seiner Arbeit ernten kann, wird ihm ein anderes Projekt zugeteilt. Als gewissenhafter Mensch geht er von Neuem an sein Werk.
Alle um ihn herum haben immer nur ein und dieselbe Aufgabe. Sie identifizieren sich mit ihr. Es gibt ihnen Ruhe und Struktur in ihrem Alltag, wogegen Herr Wu täglich neuen Anlauf nimmt.
Arbeit, Arbeit, rennen,laufen...
Neuer Tag, neues Projekt. Rennen, rennen...
Er kann doch so viel mehr. Sieht das denn keiner?
Hat er denn keinen Wert? Immer nur das zu erledigen, was sonst keiner will?
..und wieder geht ein Tag zu Ende voller Mühe und Enttäuschung.
Gesenkten Blickes geht er seinen Weg.
Da liegt etwas vor seinen Füßen auf der Erde. Ein Glückskeks mit einer Botschaft in seinem Inneren. Er bricht ihn auf, entnimmt den kleinen Zettel und liest:
„Kompetenz, wie Deine ist unterbewertet.“
Ein Zeichen des Himmels!
Du kannst mehr als die Anderen! Nur Du hast die Kompetenz !
Das Schicksal hat dem kleinen Herrn Wu einen Weg gewiesen, um sich selbst mit anderen Augen zu sehen:
„Ich habe die Kompetenz! Mir traut man zu, dass ich jede Aufgabe erfülle!
Morgen, ja gleich morgen werde ich wieder die Position ausfüllen, die man mir zuteilt!“
Glücklich und zufrieden zieht er weiter, der kleine Herr Wu und fühlt sich ganz groß.
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