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Donnerstag, 20. März 2014

Kurschatten



Weiber, Weiber … jede Menge gibt es hier!
Da, an der Ecke vor der Einfahrt müssen alle vorbeikommen, die nach dem Abendessen ausgehen wollen. Wir haben heute eine laue Spätsommernacht, ich denke, die Chancen stehen gut, hier einige von ihnen zu sehen. Zudem ist es außerhalb der Klinik erlaubt, mir eine Pfeife anzuzünden.
Einmal noch ein Abenteuer erleben! Möglicherweise ist es die letzte Gelegenheit so kurz vor der Rente , weg von Heim und Herd.
Nur alte Schachteln, dick und hässlich kommen immer gleich in schnatternden Gruppen daher. Soll heute wohl nichts werden...
Da kommt noch eine. Alleine. Die gefällt mir.


„Guten Abend, Entschuldigung, können sie mir sagen, was man hier abends unternehmen kann? Ich bin ganz neu hier. Wo gehen sie jetzt hin?“
„Ich mache nur einen kurzen Spaziergang. Hier gibt es nicht viel. Gegenüber ist eine urige Kneipe, aber die hat heute Ruhetag.“
„Darf ich sie bei ihrem Spaziergang begleiten?“

Er sieht ja ganz gut aus. Schlank, braungebrannt, die dunklen Haare mit grauen Strähnen durchzogen. In der lässigen Jeans-Jacke und der Pfeife im Mundwinkel hat er was von französischer Bohème.
Der einsame Abendspaziergang ist für mich zum Ritual geworden. Eigentlich möchte ich keine Begleitung.
Naja, schau mer mal, wie man hier in Bayern sagt.
Ein Jugo also, daher dieser Akzent und Arzt sei er in einer Klinik. So einen Halbgott in Weiß habe ich mir immer etwas beeindruckender vorgestellt und nicht als jemanden, der hinter Büschen lauert.

In einer Woche reist sie schon ab. Da bleibt wenig Zeit, ich muss also zügig vorgehen.

So, so, verheiratet ist er, hat eine Tochter und zwei Enkel, die er abgöttisch liebt, weshalb er Kindergedichte schreibt.
Na klar, seine Frau versteht ihn nicht! Ist mir doch egal. Muss er vor mir gleich sein ganzes Privatleben ausbreiten?
Nimm bloß die Pfoten weg! Das hat mir noch gefehlt!


In einer Kurklinik sind die Tage angefüllt mit Therapien und Anwendungen. Dabei trifft man immer wieder auf dieselben Leute, trotz der großen Anzahl an Patienten.
Der späte Nachmittag, der Abend und das Wochenende stehen zur freien Verfügung bis zum „Zapfenstreich“ um elf Uhr.

Egal, ob ich ins Café gehe, oder mich mit Anderen in der Kneipe zum Bier treffe, er ist immer dabei und übernimmt für mich, wie ein Mann von Welt, großzügig die Rechnung.
Lass es doch! Ich will das nicht. Das verpflichtet nur.
...und eine Geschichte vom Puff in Bochum will ich auch nicht hören! Lieber Himmel!


„Meine Frau hat meine EC-Karte gesperrt, weil ich ihrer Meinung nach zu viel Geld ausgebe. Zwanzig Euro pro Woche müssten reichen.“

Wie erbärmlich! Soll ich jetzt etwa Mitleid haben? Jede Ausrede wäre besser gewesen.
Meine Achtung ist auf ein Minimum geschrumpft.


Bei jeder Kommunikation werden Signale ausgesandt. Erfolgreich kann nur sein, wer spürt, ob das Gegenüber auf „Empfang“ oder „Keine Verbindung“ schaltet. Aber jeder nimmt nur wahr, was er tatsächlich sehen möchte und interessiert sich nicht für den Anderen. Sonst gäbe es weniger Missverständnisse.



Sonntag, 26. Januar 2014

Leon und Luna




Heiraten?

Das heißt, Leben und Liebe eins sein lassen, dass die Liebe das Leben ist, und das Leben die Liebe.

„Leonce idealisiert hier die Liebe, wobei er früher eine Heirat als Pflichterfüllung ansah. Siehst du das nicht auch so Luna?“
„Ja, dabei würde Lena lieber sterben, als zu heiraten.“

Büchner ist beinahe jedes Jahr Stoff im Deutsch-Abitur. Leon und Luna bereiten sich während eines Spaziergangs am Ufer eines Baches darauf vor, da eine der Aufgaben sicher einen Aufsatz über das Lustspiel von Leonce und Lena verlangt. Da sie verschiedene Schulen in der selben Stadt besuchen, kennen sie sich noch nicht lange, doch beide verbindet das Interesse an der Literatur und aus diesem Grund haben sie sich für das Wahlfach Deutsch entschieden.

„Ciao, wir sehen uns heute Abend bei der Orchesterprobe!“
Im städtischen Orchester spielt Luna Klarinette und Leon bläst das Waldhorn. Zwei Instrumente, die viel Kraft erfordern.
Obwohl Luna sehr zierlich scheint, verfügt sie als Hobby-Tänzerin über eine ausgeprägte Muskulatur und eine Disziplin, die sie auch beim Spielen dieses Instruments unterstützen.
Leon ist eher der Schöngeist mit einer großen Portion Humor, als der durchtrainierte Sportler, aber voller Stolz und Begeisterung entlockt er dem Waldhorn diese vollen, tiefen Töne, die ein großes Luftvolumen erfordern.

„Besuchst du mich morgen zu Hause?“ fragt Leon in der Pause hoffnungsvoll seine neue Bekanntschaft. Luna nimmt seine Einladung an, macht sich aber gleichzeitig Gedanken darüber, was er wohl für sie empfindet. Luna mag seinen Humor, mit dem er jeden in seiner Umgebung zum Lachen bringt, aber reicht das für mehr? Nein, mehr als Sympathie kann sie nicht empfinden.
Diese Erkenntnis macht sie irgendwie traurig.
„Ich muss es ihm schonend beibringen und die Situation klären. Hoffentlich setze ich unsere Freundschaft nicht aufs Spiel!“
Unsicher, aber fest entschlossen, Klarheit zu schaffen, besucht sie Leon in seinem Elternhaus. Mit dem Gesicht zum Fenster gewandt steht er in seinem Zimmer und erklärt stockend: „Ich mag dich wirklich sehr, Luna, aber wenn ich in mich hineinhöre, spüre ich keine Verliebtheit.“
Luna fällt ein Stein vom Herzen. In ihrer Umarmung versprechen sie sich Freunde zu bleiben und die Atmosphäre zwischen ihnen entspannt sich merklich.

Nachdem beide das Abitur erfolgreich abschließen, trennen sich ihre Wege, da jeder einen anderen Studiengang an einem anderen Ort wählt. Doch durch die modernen Kommunikations-Möglichkeiten erhalten sie die Verbindung aufrecht, obwohl sich Luna kurz darauf in Timo verliebt und Leon bald darauf Anna kennenlernt, in die er ebenfalls unsterblich verliebt zu sein scheint.
Eine Hochschulausbildung verlangt heute Mobilität und Auslandserfahrung, deshalb wechselt Anna schon nach einem halben Jahr an eine renommierte Universität außerhalb Deutschlands. Die Gefühle Annas halten der räumlichen Trennung nicht stand und sie beendet die Beziehung.
Für Leon bricht eine Welt zusammen. Er will nicht wahr haben, dass dies das Ende seiner Liebe ist. Dabei hört er nicht auf zu hoffen, dass Anna wieder zu ihm zurückkommt.
In seinem Kummer, sucht er Rat und Trost bei Luna, die manchmal auch einen Freund braucht, der ihr zuhört, wenn sie mit Timo eine Krise durchlebt.
„Vergiss doch Anna endlich und such dir eine neue Freundin!“ rät Luna, nachdem sie dieses Gejammer nicht mehr ertragen kann.
„Deine guten Ratschläge kann ich wirklich nicht gebrauchen. Meine Eltern liegen mir schon dauernd in den Ohren, dass ich endlich mit meinem Studium fertig werden soll, damit ich eine Familie gründen kann, mit Frau und Kindern. Sie sind nicht mehr so jung und da setzt man seine ganzen Hoffnungen in den einzigen Sohn. Im Übrigen sehen sie es nicht gerne, dass ich immer noch diesen engen Kontakt zu dir pflege, weil der angeblich zu nichts führt.“

Gibt es tatsächlich Freundschaften zwischen Mann und Frau?
Harry und Sally haben in dem gleichnamigen Film auch daran geglaubt und sind am Ende eines besseren belehrt worden – nach zehn Jahren Freundschaft haben sie geheiratet.
Oder sollten sie wie Leonce und Lena doch noch zusammenfinden, die ihrem Schicksal auch nicht entrinnen konnten?

Sieben Jahre sind seit ihrem gemeinsamen Spaziergang vergangen. Wie in diesem Film haben sie sich in den Ferien und an Feiertagen an ihrem Heimatort getroffen.
Luna arbeitet nun in der selben Stadt wie Leon. Ihre Beziehung mit Timo ist nach dieser Zeit ebenfalls in die Brüche gegangen, aber im Gegensatz zu Leon, findet sie sofort eine neue Liebe. Sie lebt jetzt mit Harald zusammen.

„Am Sonntag komme ich zu euch zum Brunch. Ich bring auch etwas zu Essen mit.“ lädt sich Leon bei Luna und Harald selbst ein.
Leons Humor ist einfach unschlagbar und es wird ein äußerst lustiger Morgen. Der Beschluss, sich öfters zum Brunch zu treffen steht fest.

Am nächsten Tag erhält Luna von Leon eine kurze SMS: „Ich bin schwul, und weiß nicht, wie ich es meinen Eltern beibringen soll.“

Luna fällt aus allen Wolken. „Wir waren über eine so lange Zeit freundschaftlich eng verbunden, und ich habe nichts bemerkt!“
Diese Freundschaft ist ihr zu wichtig, um sie der Intoleranz zu opfern, deshalb will sie ihm auch zur Seite stehen und wenn nötig, sich auch für ihn bei seinen Eltern einsetzen.
Jeder Versuch, mit Leon Kontakt aufzunehmen scheitert. Er scheint wie vom Erdboden verschluckt. Auch zum gemeinsamen Freundeskreis bricht er jeglichen Kontakt ab.
Luna ist völlig verzweifelt. „Ist er verletzt, weil ich so blind war? Oder schämt er sich? Was ist hier schiefgelaufen?“
„An Weihnachten ist er sicherlich zu Hause.“ Seine Mutter empfängt Luna überaus herzlich. Dagegen verläuft die Begegnung mit Leon etwas kühl. Beim Abschied verspricht er, sich wieder zu melden, was aber nie geschieht.

Vielleicht hat er begonnen, ein völlig neues Leben zu leben, eines in dem er wirklich glücklich sein kann.
Alle Eltern haben eine Vorstellung davon - auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollen - wie sich das Lebensglück ihrer Kinder gestalten sollte. Doch aus den Kindern bilden sich Menschen mit einer eigenen Persönlichkeit, die man so annehmen muss und nicht verbiegen darf.  






Sonntag, 12. Januar 2014

Too Old To Rock'n Roll, Too Young To Die

Den sechzigsten Geburtstag empfindet jede Frau als den absoluten Supergau. Öfter blickt man nun zurück, als dass man Pläne für die Zukunft schmiedet.
Ideen wurden aufgegriffen und wieder verworfen. Viel wurde erlebt und durchlitten, wobei rückblickend die Probleme der Jugend lächerlich klein wirken, ohne dass ich Sehnsucht nach dieser Zeit hätte, denn das ganze Leben unterliegt dem Wandel.
Nur die Musik, die man damals geliebt hat bleibt.
Man tröstet sich mit der Einsicht, dass die Rock'n Roller von einst inzwischen auch alte Männer sind und trotzdem die gleiche Jugendlichkeit ausstrahlen, die man selbst noch spürt. Obwohl ich dieses Gefühl nicht nach außen trage, in Form von Minirock und Nieten-Klamotten.

Beinahe mitleidig betrachte ich die Frauen, die nach außen nur darauf bedacht sind, dass ihnen nicht der kleinste Makel anhaftet. Die Frisur ist akkurat toupiert, die Bügelfalte sitzt perfekt und der weiße Blusenkragen strahlt makellos. Gefangen in ihren überzogenen Prinzipien und Moralvorstellungen, haben sie versäumt zu leben. Immer mit dem Hintergrund, den Idealen ihres Umfelds zu genügen.

Etwa mit dreißig erschafft man sich ein Bild davon, wie das Alter aussehen könnte. Auf keinen Fall hinfällig, langweilig und spießig!
Später mit sechzig, Saxophon zu spielen, fand ich schräg. Allerdings bedarf es im wahrsten Sinne des Wortes einen langen Atems und sehr viel Zeit.
Auch hätte ich nicht gedacht, dass ich in diesem Alter noch arbeite, jedoch stelle ich heute fest, es ist das beste Mittel, um fit zu bleiben. Andererseits scheint mir die Natur gnädig gestimmt und hat mich bisher vor groben Alterserscheinungen verschont. Bevor sie es sich anders überlegt, entschließe ich mich, diese vielleicht letzte Möglichkeit zu nutzen, mit einem professionellen Foto-Shooting beim Fotografen.

Von einer international arbeitenden Visagistin werde ich passend zum jeweiligen Look geschminkt. Von Jeans bis Cocktail-Kleid wird die ganze modische Bandbreite abgedeckt.
Über mehrere Stunden hinweg werden unendlich viele Bilder an mehreren Locations geschossen: Im Studio, im Freien, in einem Modegeschäft, in einer alten morbiden Wohnung und auf einem stillgelegten Bahngleis.
Sechs Stunden unter ständiger Anspannung - ich bekomme eine Ahnung vom Job eines Models!
Mit dem Ergebnis bin ich äußerst zufrieden und egal, was die Zukunft bringt, dieses außergewöhnliche Erlebnis bleibt mir erhalten.
Beweisen muss man sich nun nichts mehr, man kennt seinen Wert.

Saxophon zu spielen, werde ich nicht mehr lernen, dennoch habe ich eine andere Form des persönlichen Ausdrucks entdeckt: Das Schreiben. Es erfordert einen ebenso langen Atem, doch der Rock'n Roll im Herzen verleiht Kraft und Flügel – noch heute.

-Dank an Nursen und Bernard-









Sonntag, 5. Januar 2014

Die guten Tage




Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen, erkannte schon Goethe.







An solch "guten" Tagen erwartet jeder von sich und seinen Nächsten ein zu hohes Maß an Perfektion. In übermäßiger Anstrengung wir nach der heilen Welt gesucht.
Alte Beziehungen reiben sich an der ungewohnten Nähe. Neue Beziehungen werden einer Prüfung unterzogen. Sie sind noch zerbrechlich, weil jeder, der beiden Partner auf der Suche nach dem absoluten Glück mit seiner Unsicherheit und der Angst vor einem Scheitern kämpft.
Großmütter erhoffen sich mit Geschenken Aufmerksamkeit eintauschen zu können. Doch in einer Kultur des Nehmens nimmt sich kaum jemand die Zeit zuzuhören.
Die Oma ist doch selbst schuld, wenn sich keiner um sie kümmert, sie hätte doch die Möglichkeit sich einem Seniorenkreis anzuschließen, oder der über 90jährigen Nachbarin, die obwohl sie Kinder und Enkel hat, die Feiertage auch alleine verbringt.

Im Internet existiert sie noch, die scheinbar heile Welt. Hier steht ein unüberschaubar großer Personenkreis zur Verfügung, dort bleibt keiner allein.
Die guten Wünsche, die ins Universum hinausgehen, treffen garantiert auf eine ebenso einsame Seele, die sich angesprochen fühlt, mit dem Empfinden, jemand habe an sie gedacht.
In dem riesigen Angebot von Kontakt-Möglichkeiten entstehen flüchtige Begegnungen, ohne Verpflichtung – Wegwerf-Bekanntschaften ohne bleibenden Wert.


Beim Beginn eines neuen Jahres bleibt die Hoffnung, alles werde gut.




Sonntag, 22. Dezember 2013

Welt der Sagen




                                                     Elsa und ihr Gralsritter

                                                      Eine alte Sage, neu erzählt.



Was für ein Schicksal, mit dem Gott mich bestraft!
Viel zu früh hast du mich verlassen, und welche Verantwortung hast du auf meine jungen Schultern geladen! Die Schwere dieser Bürde droht mich zu erdrücken!

Kniend, am Totenbett ihres Vaters, des Königs von Brabant, hadert Elsa mit dem Erbe, das sie antreten soll. Es existiert kein männlicher Thronfolger und nach dem Gesetz darf nur ein König das Land regieren.
In Demut soll ich mich fügen und heiraten, verlangen mein Volk und meine Berater von mir, klagt sie weinend.

Kaum ist das königliche Begräbnis mit einer feierlichen Zeremonie begangen worden, wirbt der Ritter des Königs, Graf Friedrich von Telramund, ein tapferer Held, um Elsas Hand:
„Auf dem Totenbett musste ich deinem Vater versprechen, dir als dein Ehemann zur Seite zu stehen und als sein Nachfolger das Land zu regieren.“
Aber Elsa kann nicht glauben, dass dies der Wunsch ihres gütigen Vaters war, der sie so sehr liebte, und sie weigert sich, mit ihm die Ehe einzugehen.

In ihrer Not sucht sie Hilfe im Gebet: „Allmächtiger Gott, wenn ich einen Mann erwählen soll, dann nur den, der mir von Dir geschickt wird!“
Im selben Moment klingt weit weg von hier beim Gral eine Glocke. Ihr Läuten verkündet jedes Mal, irgendjemand bedarf dringend der Hilfe.

Elsa beruft alle Fürsten zu einer Versammlung am Fluss ein, um ihre Meinung zu hören, doch plötzlich sind alle Blicke auf das Wasser gerichtet: Ein Kahn, gezogen von einem weißen Schwan, kommt daher geschwommen. Ein Ritter steht darin, stolz und aufrecht, in einer silbern glänzenden Rüstung, umgeben von einer strahlenden Aura.

Am Ufer wird der Ritter, namens Lohengrin von der ganzen Versammlung staunend und voll Freude empfangen. Der Schwan kehrt mit seinem Kahn sofort wieder zurück.
An Elsa gewandt fragt er, was für ein Leid sie bedrücke, und sie erzählt ihm, unter welch falschem Vorwand Graf Friedrich sich den Thron erschleichen will.
Als ihr Ritter fordert Lohengrin den Graf zum Kampf, um Elsas Recht zu erstreiten. Alle Verwandten und Fürsten stellen sich ein, um diesem wichtigen Ereignis beizuwohnen.
Das Recht ist auf der Seite des Stärkeren. Friedrich unterliegt und gesteht, gelogen zu haben: Es habe nie ein Versprechen von Seiten des Königs gegeben. Damit hat er sein eigenes Todesurteil gesprochen und wird tags darauf durch das Beil gerichtet.

Elsa erkennt in Lohengrin den von Gott gesandten Ehemann und verfällt in großer Liebe zu ihm. Sofort wird mit den Vorbereitungen zu einer königlichen Hochzeit begonnen.
Bevor Lohengrin allerdings die Ehe mit Elsa eingehen kann, muss er ihr noch ein Versprechen abnehmen:

Nie sollst du mich befragen,
noch Wissens Sorge tragen,
woher ich kam der Fahrt,
noch wie mein Nam' und Art !“

Er habe als Ritter ein Gelöbnis abgelegt, und sobald dieses gebrochen werde, müsse er sie auf immer verlassen. Elsas Glück jedoch ist vollkommen, deshalb kann sie die Bedingung eingehen, nie die Frage nach seiner Herkunft zu stellen.

Bald bekommen sie nacheinander zwei Söhne und sind beide sehr glücklich. Lohengrin regiert das Königreich Brabant mit Weisheit und ist beliebt bei seinen Untertanen.
Aber eines Tages spricht eine Herzogin voller Neid zu Elsa: „Er mag ja ein heldenhafter Ritter sein, aber da niemand seine Herkunft kennt, ist er sicherlich nicht von Adel und deshalb der Stellung eines Königs nicht würdig.“
Diese Worte beschämen Elsa und versetzen sie in große
Unruhe. Jede Nacht beginnt sie zu weinen und bedrängt ihren Gatten, er möge ihr doch sagen, woher er komme und ob er von adliger Geburt sei.
Ein paar Tage kann er sie beruhigen, aber da ihr Drängen immer heftiger wird, beschließt er, am vierten Morgen in aller Öffentlichkeit Auskunft über seine Abstammung zu geben.

„Mein Vater Parsifal, der Hüter des Grals hat mich gesandt. Als er den Klang der Glocke vernahm, wusste er, dass sich jemand in großer Not befindet und Hilfe braucht. Daraufhin hat mir Gott einen Schwan geschickt, der mich mit einem Kahn übers Meer zog, um Elsa beizustehen.“

Lohengrin verabschiedet sich von seinen beiden Söhnen mit einem Kuss und steigt in den Kahn, mit dem der Schwan wieder angeschwommen kam, und kehrt eilig zum Gral zurück.

In diesem Moment erst wird Elsa bewusst, dass sie ihr Versprechen gebrochen hat, das sie vor der Ehe ablegte, und fällt in eine tiefe Ohnmacht. Nach dem Erwachen ist ihre Seele für immer zerstört. Einsam und zurückgezogen siecht sie von nun an dahin.
Lohengrin kam nie wieder zurück. Ihre Söhne wurden zu Waisen, die in die Obhut des Kaisers fielen.

-Für Stefan -

Freitag, 13. Dezember 2013

13. 12. 13, 33jähriges Jubiläum im Perkins-Park, Stuttgart

Am 13. Dezember 1981 wird in der Discothek Perkins-Park in Stuttgart einjähriges Jubiläum gefeiert, ein Grund mehr, um einen Abend dort zu verbringen.
Ein befreundetes Ehepaar freut sich darauf, meinen Mann und mich dorthin zu begleiten. Selbstverständlich folgt man dem heimlichen Dress-Code und zieht an, was modisch angesagt ist. Das bietet mir die Möglichkeit, meinen neuen blauen Anzug mit goldenen Lurex-Streifen und einer Kniebundhose auszuführen.
So sehr ich mich darauf freue, wieder einmal richtig chic auszugehen, so schwer fällt es mir, mich aufzuraffen. Unglaublich müde und elend fühle ich mich an diesem Abend, aber wir sind schließlich verabredet, deshalb reiße ich mich zusammen, und mit dem Auto geht es dann nach Stuttgart.
Am Eingang hat sich bereits eine Schlange gebildet, und es dauert einige Zeit, bis wir eingelassen werden.
Drinnen ist es bereits sehr voll, trotzdem finden wir einen Platz an der Bar. Was soll ich bloß zu trinken bestellen? Nach Alkohol ist mir heute überhaupt nicht, aber in einer Bar gibt es fast nichts ohne. Dann nehme ich halt eine 'Bloody Mary', die besteht fast nur aus Tomatensaft.
Es wird dann doch noch ein amüsanter Abend, obwohl mir der 'Tomatensaft' auch nicht schmeckt.

Nach diesem Wochenende erfahre ich durch meinen Arzt, dass ich schwanger bin, und erhalte somit auch die Erklärung für meinen elenden Zustand.

In den nächsten Jahren mussten Prioritäten neu gesetzt werden, und Disco-Besuche traten weit in den Hintergrund.
Die Zeit vergeht, der Perkins-Park feiert noch mehr Jubiläen und zwanzig Jahre später trifft sich unsere Tochter mit ihren Freunden am selben Ort.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Ruhe !

Als mir heute morgen mein ausgeschaltetes Smartphone hinters Bett gefallen ist, dachte ich im ersten Moment, man hätte mir einen Körperteil amputiert. Bis zum Abend muss ich warten, bis mir jemand hilft, das schwere Bett vorzuziehen.
Ich musste mich dem Schicksal fügen und genoss bald darauf die unfreiwillige Ruhe.
Fast niemand weiß, dass ich zu Hause einen grippalen Infekt auskuriere, also klingelt auch kein Telefon.
Plötzlich, gegen Abend wird die Stille jäh durch den elektronischen Ton unserer modernen Haustürschließanlage durchschnitten. Die Post kann es zu dieser Zeit nicht mehr sein, deshalb frage ich vorsichtshalber durch die Sprechanlage nach, wer stört.
Eine engelsgleich sanfte Frauenstimme möchte, dass ich mich mit der Frage befasse: "Was kommt nach dem Tod?"

ICH HABE DOCH NUR EINE ERKÄLTUNG !!